Chronik | Niederösterreich
08.01.2012

Aus Liebe zum Kino

Die Überlebenskünstler im digitalen Lichtspiel-Zeitalter in Niederösterreich.

Einige beweisen es: Kleine Lichtspieltheater in Niederösterreich können dem Druck der Megakinos entgegenwirken. "Andere leisten sich Schwimmbäder, wir uns ein Kino", scherzt Bürgermeister Martin Leonhardsberger. In Mank im Bezirk Melk befindet sich das einzige Kino Niederösterreichs, das noch von der Gemeinde betrieben wird. Knapp 6000 Besucher strömten vergangenes Jahr in das Lichtspieltheater, das einen guten Mix an Filmen anbietet. Die Zukunft könnte sich allerdings schwieriger gestalten. Kann man sich als kleines Kino Neuerungen wie 3D verschließen? "Wir müssen uns nach der Decke strecken", sagt Chefin Renate Wutzl.Zuerst waren es Stummfilme, die im Gasthof Schwab in Matzen 1928 erstmals über die Leinwand flimmerten. Ein Wiener Student kam damals regelmäßig mit dem Bus nach Matzen und begleitete die Filme auf dem Klavier. Heute wird das Kino noch immer von der Familie Schwab betrieben. Herbert Schwab hat zwar derzeit nicht die Mittel, auf Digital-Projektion umzusteigen, hat aber ein großes Stammpublikum, das die familiäre Atmosphäre des Filmtheaters im Weinviertel schätzt.

Ältestes Kino Niederösterreichs

Zwei Weltkriege, die Wirtschaftskrise, die Besatzungszeit – das alles hat das Stadtkino in Retz überlebt. "Und hatte immer offen", wie Besitzer Leopold Harzhauser erzählt. Das älteste Kino Niederösterreichs wurde 1911 von seinem Großvater eröffnet. Gespielt wurde immer, was gerade aktuell war. Obwohl die 211 Sitze bei weitem nicht gänzlich besetzt sind, denkt Harzhauser nicht ans Schließen, hat sogar erst 2005 in eine moderne Tonanlage investiert. "Es ist eben die Liebe zum Kino". Was wäre der Rathausplatz in St. Pölten ohne das Cinema Paradiso. "Das Mischkonzept macht den Erfolg aus", sagt Kino-Chef Alexander Syllaba. Das Cinema ist Premierenkino – unlängst feierte "Anfang 80" die Uraufführung –, genauso wie Veranstaltungsplatz für Konzerte und Lesungen. 2011 war das erfolgreichste Jahr für die Betreiber. Es wurde ein dritter Saal eröffnet, der genau in die Philosophie passt. Er ist gut gedämmt: Für die lauten Konzerte – zum Beispiel.

Kino mit Biss

Das Kino Berndorf im Bezirk Baden ( www.cinexx.at ) ist eines der letzten "unabhängigen" in NÖ, weil in keine große Kinokette integriert. Seit elf Jahren führen Thomas Wurzer und Mathias Walter hier ein einzigartiges Haus. Handelt es sich doch um ein "Kino mit Biss". Im Saal werden Getränke und kleine Speisen zum Film serviert. "Mit dem Filmfrühstück, dem Brettl-Jausen-Kino oder Kinderdisco bieten wir ein zusätzliches Angebot", sagt das kinobegeisterte Duo. Aber: "Wir werden auf digitale Projektion umstellen müssen. Das kostet für beide Säle 160.000 Euro." Man hofft auf Förderungen und Spenden. 1955 war die Geburtsstunde des Zentralkinos in Wiener Neustadt . Seither ist das kleine Lichtspieltheater in Hand der Familie Kiener. Bis auf einen Standortwechsel in der Innenstadt hat das Kino seit mehr als fünf Jahrzehnten durchgehend geöffnet, ist Betreiber Günther Kiener stolz. Ob der Betrieb jedoch das Jahr 2012 überleben wird, steht noch in den Sternen. Kaum noch Filmverleiher bieten Material auf den alten 35-Millimeter-Filmrollen an. Die Digitalisierung kommt zu teuer.

Die steigende Anzahl an TV-Geräten war im Jahr 1962 der Todesstoß für die "Lichtspiele Schloß Rosenau " in der Nähe von Zwettl. Doch knapp fünf Jahrzehnte nach der letzten Vorstellung feierte das Nostalgiekino vor zwei Jahren unter der Schlosshotel-Betreiberin Margit Zulehner eine Auferstehung. Das Kino im renovierten Gutshof soll ein besonderes Erlebnis auf alten Holzstühlen und in historischen Räumen sein. "Wir spielen sowohl alte Klassiker als auch aktuelle Filme", sagt Zulehner.

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