Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Auf Weltreise mit dem Häferlgucker

Kulinarisches "Best of": Monatlich wechselt der Gastkoch im Gourmettempel Ikarus. Chefkoch Roland Trettl wird davon hungrig anstatt satt.

Starkoch Roland Trettl weiß, wie man bei Frauen Eindruck schindet. "Liebe geht durch den Magen. Das klappt immer. Bei meiner Freundin war es auch so. Die habe ich mit einem Risotto geknackt."

Frech, überraschend und doch einfach. So beschreibt der 38-jährige Captain der Ikarus-Küche im Salzburger Hangar-7 seine Gerichte. Und sie sollen zum Reden ermuntern: "In Restaurants fällt mir oft auf, dass sich Paare nichts mehr zu sagen haben. Mit meinen kulinarischen Überraschungen versuche ich, ihnen ein Gesprächsthema zu geben."

Ob das auch funktioniert, kann man im August im Ikarus probieren. Diesen Monat wird das übliche Konzept des Gastkochs unterbrochen, und es gibt vier Wochen lang "Best of Roland Trettl und Team". "Jeden Monat lassen wir uns für ein Ikarus-Menü die tollsten Gerichte einfallen - in der Hoffnung, dass der Gast doch das Menü des eingeladenen Kochs bestellt. Aber man muss eine Alternative anbieten", erklärt Trettl.

Monat für Monat holt Trettl die kulinarische Weltspitze in die Ikarus-Küche, um dort gemeinsam zu kochen. Die Impulse, die er durch seine mittlerweile 65 Gastköche bekommt, verarbeitet der gebürtige Südtiroler stets zu neuen Ideen. "Sich jeden Monat einen anderen Kochstil anzueignen macht nicht satt, sondern hungrig, neue Rezepte zu kreieren. Für mich ist das hier wie im Paradies. Man kann so viel lernen. Und auch für den Gast ist das etwas Besonderes. Bei uns schmeckt jeder Monat anders." Ein paar Extreme bleiben doch ausgespart. "Produkte wie Schlangen, Meerschweinchen oder Schildkröte funktionieren bei uns nicht", sagt Trettl.

Die Gastrezepte aus aller Welt werden auch heuer wieder in einem Buch verarbeitet. Der dritte "Kulinarische Überflieger" ist gerade in Arbeit. "Am 21. November werden wir das Buch bei der Ikarus-Night vorstellen", verrät Trettl. 60 unterschiedlichste Gaumenfreuden werden darin enthalten sein - eine kulinarische Weltreise von Schweden, Spanien, Frankreich über die Schweiz bis nach Thailand und die USA. Auch für 2010 ist der Köcheaustausch schon gesichert. "Mir fehlen nur noch zwei Spitzenköche", so Trettl.

Zum Anbeißen

Doch der 38-Jährige streckt seine Fühler auch immer wieder in Richtung Kunst und Mode aus. "Fashion Food" heißt sein Bildband, in dem Essen provokant, modisch und sexy in Szene gesetzt wird. Derzeit beschäftigt das Thema Schmuck den kreativen Koch. "Er sollte nicht vergänglich sein - aber natürlich mit Essen zu tun haben. Eine Fussili-Kette gab es ja schon von mir. Die Idee von Fashion-Food wird sicher eine Fortsetzung finden", versichert Trettl.

Pläne, etwas ganz Neues anzupacken, hat er nicht. "Die Möglichkeiten, die Abwechslung hier ist unvergleichlich. Ich kann mir vorstellen, in Salzburg alt zu werden." Der schräge, rabiate Koch, als der Trettl gerne bezeichnet wird, ist erdiger und traditionsverbundener als man vermuten mag. "Ich kann den Begriff 'junge Wilde' nicht ausstehen. Viel wichtiger ist Erfahrung. Ich schätze alte Meister und Wurzeln. Nur wenn man die Basis kennt, kann man dazu noch frech sein."

Trettl stapft zwar recht unkonventionell mit Sturmfrisur, Jeans, Headset durch die Küche. Doch ganz abgehoben ist er in Wahrheit nicht: "Mit Marillenpalatschinken oder einem Beuscherl kann man mich zum glücklichsten Menschen machen."