Anwalt gesteht: Schul- und Klientengelder veruntreut

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Jurist und VP-Gemeinderat hat sich nach KURIER-Bericht selbst angezeigt.

Am Sonntag berichtete der KURIER über einen Rechtsanwalt aus Wiener Neustadt, der im Verdacht steht, als Elternvereinsobmann eines Gymnasiums 100.000 Euro von Schulkonten abgezweigt zu haben. Seit Montag hat der Fall eine neue Dimension. Wolfgang Auer, 43, hat die Reißleine gezogen und Selbstanzeige erstattet. Demnach hat er auch in seiner Rechtsanwaltskanzlei Klientengelder veruntreut. Dort liegt der Schaden nach eigenen Angaben bei 60.000 Euro. Auer ist dem bevor stehenden Entzug seiner Berufsberechtigung durch die nö. Rechtsanwaltskammer zuvorgekommen und hat am Montag seine Anwaltstätigkeit eingestellt. Er verzichtet auf die weitere Ausübung seines Berufes. Außerdem scheidet der Jurist mit sofortiger Wirkung aus seinen politischen Ämtern als ÖVP-Gemeinderat und Funktionär im Bezirk Neunkirchen aus.

Der brisante Fall wurde vergangene Woche durch Verantwortliche des Bundesgymnasiums Babenbergerring in Wiener Neustadt ins Rollen gebracht. Dort ist Auer seit Jahren Obmann des Elternvereins, seit 2005 wurden allerdings keine Generalversammlungen mehr abgehalten. Bei einer Überprüfung der fünf Elternvereins-Konten bemerkte der Obmann-Stellvertreter, dass diese leer geräumt waren. Laut Kassasturz, rückwirkend auf die vergangenen acht bis neun Jahre, fehlen dem Verein geschätzte 100.000 Euro.

Darüber hinaus hat die nö. Rechtsanwaltskammer am Montag um 5 Uhr Früh ein Fax von Auer erhalten, in dem er offen eingesteht, sowohl privat als auch im Rahmen seiner Anwaltstätigkeit ihm anvertraute Gelder veruntreut zu haben. „Uns sind derzeit vier Klienten bekannt, die davon betroffen sein sollen. Wir werden rasch mit ihnen Kontakt aufnehmen“, bedauert der Präsident der nö. Rechtsanwaltskammer, Michael Schwarz. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass es weitere Geschädigte gibt.

Notfallfonds

Betroffene können sich direkt an die Kammer in St. Pölten wenden, heißt es in einer Presseaussendung. Es wird versucht, den finanziellen Schaden über einen speziellen Notfallfonds abzugelten.

Für den KURIER war der betroffene Jurist für keine Stellungnahme erreichbar.

Erstellt am 04.03.2013