Angst vor Serien-Brandstifter in St. Pölten

Haus
Foto: Hagl In der Schwammelstraße wurden 21 Personen verletzt.

In St. Pölten wurden in nur einer Nacht mindestens neun Brände gelegt. 21 Personen erlitten eine Rauchgasverletzung. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus.

Das Stiegenhaus ist mit einem schwarzen Film überzogen. Beißender Rauch liegt auch noch Stunden nach dem Brand in der Luft. In der Schwammelstraße 18 in St. Pölten spielten sich Montagabend dramatische Szenen ab. 18 Menschen, darunter zehn Kinder und zwei Babys, mussten von der Feuerwehr aus dem Haus gerettet werden. 21 kamen mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus.

Das Feuer war im Untergeschoß des Haues ausgebrochen, dort, wo Kinderwägen abgestellt werden. Die Rauchentwicklung war immens. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Nicht die einzige in der Nacht von Montag auf Dienstag in der Landeshauptstadt. Zumindest an neun Schauplätzen hat der Täter gezündelt. Zwei weitere Brände sind nicht eindeutig zuordenbar. Müllcontainer waren meist sein Ziel.

Noch in den Abendstunden begann das Landeskriminalamt mit den Ermittlungen. „Wir gehen von einem Einzeltäter aus, der zu Fuß unterwegs gewesen sein dürfte“, sagt Chefinspektor Erich Rosenbaum. An eine politisch motivierte Tat glaubt er nicht. „Dafür gibt es keinerlei Hinweise.“

Mehr Streifen

In der Schwammelstraße gab es am Dienstag nur ein Thema: die Menschenrettung. „Die Feuerwehr hat mich über das Fenster aus der Wohnung geholt – gemeinsam mit meinem Kind. Alles hat schon gestunken und geraucht. Mein Sohn hat wirklich große Angst gehabt“, erklärt Mone Zejna, Mutter des zweijährigen Eldi. „Ich habe ein lautes Geräusch gehört. Dann hab’ ich die Türe aufgemacht und es war schon alles schwarz“, sagt die 12-jährige Ebru Babadag. Auch sie ist ins Spital gekommen, konnte es aber nach wenigen Stunden schon wieder verlassen, wie fast alle. Zwei Kinder wurden stationär aufgenommen. Das Baby und ein 13-jähriges Mädchen konnten am Dienstag allerdings wieder nach Hause.

Die Polizei St. Pölten wird ihre Streifen nun verstärken. Die Herausforderung für sie  ist, dass die Tatorte über die Stadt verstreut lagen. Die Exekutive setzt auch auf die Mithilfe aus der Bevölkerung: Das Stadtpolizeikommando St. Pölten bittet um Hinweise auf die Täter unter der Nummer 059/133-3198.

Montagnacht wurden an folgenden Adressen zwischen 19 und 5.30 Uhr Brände gelegt:

18.31 Uhr: Waldsiedlung Spratzern

19.54 Uhr: Tullner Bahnstraße

19.58 Uhr: Schwammelstraße 18

20.09 Uhr: Zehengruberstraße

22.55 Uhr: drei Brände in der Maria-Theresia-Straße 26 bis 32

23.15 Uhr: Gabelsbergerstraße

23.21 Uhr: Lederergasse

1.23 Uhr: drei Brände in der Jörgerstraße, Schindlerstraße, Speiserstraße

5.31 Uhr: Handel-Mazetti-Straße

Bei den Bränden in der Waldsiedlung Spratzern und in der Handel-Mazetti-Straße ist noch nicht sicher, ob es sich um den gleichen Täter wie bei den restlichen Tatorten handelt.

(KURIER / Katharina Salzer und Johannes Weichhart) Erstellt am
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