Amoklauf kommt zu den Akten

Nach dem Feuergefecht mit zwei Toten wurde das Verfahren gegen den verletzten Polizisten jetzt eingestellt.

Nach dem Amoklauf eines Lebensmüden in Hirtenberg im Bezirk Baden im vergangenen Februar ist das traurige Kapitel nun auch für die Justiz abgeschlossen. Das Verfahren gegen den einzig Überlebenden des Schusswechsels, den 39-jährigen Polizeibeamten Manfred W., wurde vor Kurzem eingestellt. Wie in solchen Fällen üblich hatte die Staatsanwaltschaft Erhebungen wegen des Gebrauchs der Dienstwaffe geführt. Dieser erfolgte jedoch eindeutig aus Notwehr.

Manfred W. und sein 26-jähriger Kollege Andreas H. waren an besagtem Februartag zur falschen Zeit am falschen Ort. Nach der Anzeige der besorgten Ehefrau suchten die beiden Polizisten in Hirtenberg nach dem 34-jährigen Thomas P.. Der Familienvater hätte eine zweimonatige Haftstrafe wegen Betrugs antreten sollen. Aus Angst vor dem Gefängnisaufenthalt war er von zu Hause davongelaufen – mit dabei hatte er seine Glock 19, mit der er sich in einem Waldstück verschanzte. Als die beiden Beamten Thomas P. aufstöberten und ihn überreden wollten, mit ihnen mitzukommen, begann der 34-Jährige aus unmittelbarer Nähe sofort auf die Polizisten zu schießen. Die beiden erwiderten das Feuer. Es fielen mehr als 20 Schüsse.

Andreas H. sackte nach mehreren Treffern in den Bauch lebensgefährlich verletzt zusammen. Mehrere Stunden lang kämpfte ein Team im Landesklinikum Wiener Neustadt um das Leben des jungen Polizisten – vergebens. Er starb am darauf folgenden Tag. Seinen ebenfalls angeschossenen Kollegen Manfred W. bewahrte hingegen nur ein glücklicher Zufall vor dem Tod. Er hatte in der linken Brusttasche sein Funkgerät eingesteckt. Zwei Projektile waren an dem Apparat abgeprallt, sonst hätten sie den Beamten in der Herzgegend getroffen.

Suicide by Cop 

Am Ende der Ermittlungen gehen Polizei und Justiz von einem Fall von „Suicide by Cop“ aus, was bedeutet: Der Täter wollte von der Polizei erschossen werden. Auch die Witwe des Amokschützen glaubte unmittelbar nach der Tat an diese Version. Nachdem Thomas P. im Feuergefecht mit den Polizisten aber nur verletzt wurde, setzte er sich seine Glock 19 selbst an den Kopf und drückte ab. Als Folge der tödlichen Schüsse wurde in neue Sicherheitsausrüstung der Polizei investiert.

( Kurier ) Erstellt am 06.01.2012