Chronik | Niederösterreich
18.09.2013

Amoklauf in Niederösterreich: Täter starb durch Kopfschuss

Staatsanwaltschaft geht von Selbstmord aus. In seinem Anwesen fanden sich Hunderte Waffen.

Am Tag nach der unfassbaren Bluttat in Niederösterreich mit fünf Toten werden immer mehr Details über den mutmaßlichen Schützen Alois Huber bekannt. Wie ein Cobra-Beamter zum ORF sagte, hortete der Mann in seinem Gehöft bei Melk Waffen im "dreistelligen Bereich". Zudem fanden sich vor Ort in Großpriel Hinweise, die auf vorangegangene Straftaten schließen lassen. Dazu zählen nach KURIER-Informationen zahlreiche Jagdwaffen und Dutzende gestohlene Kennzeichen. Der Großteil der Waffen dürfte auf Diebstähle zurückzuführen sein. Am Nachmittag wurde auch die Todesursache des Schützen bekannt.

Die gestohlenen Kennzeichen dürfte der 55-Jährige bei seinen Wilderei-Ausfahrten verwendet haben, hieß es aus Polizeikreisen. Deshalb konnte seine Identität im Zuge der Ermittlungen nicht festgestellt werden, obwohl der Wagen öfters von Fotofallen im Wald erfasst worden war. Ursprünglich hieß es, dass der mutmaßliche Wilderer bereits länger im Visier der Polizei gestanden war. Dies stellte sich nun als falsch heraus - ermittelt wurde gegen unbekannte Täter.

Wie am Nachmittag bekannt wurde, starb Alois Huber, dessen verkohlte Leiche Dienstagabend gefunden wurde, an einem Kopfschuss. Die Staatsanwaltschaft geht von Selbstmord aus. Die Obduktion ist aber noch in Gang, erklärte eine Sprecher. Es sei jedoch "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" davon auszugehen, dass es sich bei der Leiche um jene des mutmaßlicehn Wilderers handelt.

Polizei verteidigt Vorgehen

Unterdessen wird am Tag nach der Bluttat vielerorts Kritik am Polizeieinsatz laut: Wie konnte es passieren, dass ein einzelner Täter vier Einsatzkräfte tötet? Hat die Polizei Fehler gemacht? Fest steht: Noch nie sind in der Zweiten Republik so viele Beamte bei einem einzigen Einsatz ums Leben gekommen. Der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Konrad Kogler, hat den Polizeieinsatz in Annaberg und Großpriel am Mittwoch jedoch gegenüber Kritik verteidigt.

"Wir hatten den Tatverdächtigen zwar nicht konkret im Visier, wussten aber, dass es sich um eine gewalttätige Person handeln muss", sagte Kogler im Ö1-Morgenjournal. Man habe die Gefährlichkeit des Täters nicht unterschätzt. Da in der Gegend von Annaberg bereits 2011 ein Mordversuch auf einen Jäger verübt worden war, sei auf das Einsatzkommando Cobra zurückgegriffen worden. "Es hat sich gezeigt, dass diese Einschätzung richtig war."

Ob der Mordversuch von dem gesuchten Hirsch-Wilderer verübt wurde - und ob es sich dabei um den 55-Jährigen handelt, müsse noch endgültig geklärt werden, u.a. durch ballistische Untersuchungen. Der Verdächtige habe jedenfalls laut Kogler kein typisches Täterverhalten gezeigt - er hatte sich nach dem ersten Angriff nämlich nicht vom Tatort entfernt. Mehrere Polizisten hatten sich um ihren angeschossenen Kollegen gekümmert und Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt. Der Verletzte wurde aus dem Gefahrenbereich hinter ein Fahrzeug gebracht und auch das angeforderte Rettungsauto hätte als Barriere dienen sollen.

Doch bereits beim Zufahren der Ambulanz, die eindeutig als Sanitätsfahrzeug zu erkennen war, wurde ganz gezielt auf Höhe des Fahrers durch das Fenster geschossen. Das Projektil traf den 70-jährigen Sanitäter Johann Dorfwirth tödlich. Mit einer derartigen Kaltblütigkeit hatte man seitens der Polizei nicht gerechnet.

Professionelles Vorgehen

"Gestern war ein sehr fordernder Tag - es ist einmalig in der Zweiten Republik, dass an einem Tag drei Polizisten und ein Sanitäter getötet wurden", sagte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit. Das weitere Vorgehen sei sehr professionell erfolgt, vom Versorgen der Verletzten, die Peilung und schließlich die Hausdurchsuchung. Mit viel Augenmaß seien immer die nächsten Schritte gesetzt worden, auch um mögliche Geiseln nicht zu gefährden. Dass der offenbar schwer bewaffnete Verdächtige auf seiner Flucht von Annaberg nach Melk keine Unbeteiligten verletzt hat, sei u.a. auf entsprechende Sicherungsmaßnahmen zurückzuführen, sagte Kogler.

"Es hat sich gezeigt, wie professionell die Polizei und das Einsatzkommando Cobra arbeiten", meinte der Generaldirektor. Nun werden die kriminalpolizeiliche Erhebungen durchgeführt, bevor der Fall an die Staatsanwaltschaft geht. Parallel wird das Evaluierungsverfahren gestartet und entsprechende Schlüsse daraus gezogen, betonte Kogler.

Auch zum Einsatz am Bauernhof Großpriel wurden neue Details bekannt. Die Cobra wurde am Dienstag gegen 18 Uhr mit drei Panzern in den Innenhof des Vierkanthofs geschleust. "Die Annäherung war aus Gründen, weil der Mann schon vier Kollegen erschossen hat, höchst problematisch", erklärt Cobra-Sprecher Detlef Polay.

Somit wurde mit den Panzern ein "Mittel mit hoher Schutzqualität" gewählt. Bis Mitternacht suchten die Einsatzkräfte nach dem Schützen in dem sehr verwinkelten Gebäude. "Da kommst du immer wieder in eine Situation, die neu beurteilt werden muss. Wir kannten uns in dem Haus nicht aus." Insgesamt waren mehr als 130 Cobra-Leute im Einsatz, die sich in mehreren Schichten innerhalb des 24-Stunden-Einsatzes immer wieder ablösten. Außerdem waren zehn sogenannte Peer Supporter im Einsatz, die speziell zur Unterstützung ausgebildet sind.

Tiefe Betroffenheit

Einen Tag nach dem Tod ihres Kollegen herrscht bei der Cobra "betroffene Stimmung", so Polay. Die Angehörigen der Opfer sind noch in der Nacht auf Dienstag um ca. 1.00 Uhr von den tragischen Vorfällen informiert worden und von einem Kriseninterventionsteam (KIT) betreut worden. Der Einsatz des KIT erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Akut-Team Niederösterreich. Neben den Angehörigen wurden auch Rot Kreuz-Mitarbeiter betreut, die mit den Opfern zusammengearbeitet oder sie gut gekannt hatten.

Die Hinterbliebenen haben zudem die Möglichkeit, Unterstützung durch den psychologischen Dienst des Innenministeriums zu erhalten. Als finanzielle Entschädigung in derartigen Fällen ist übrigens eine einmalige Zahlung des Bundes in der Höhe von 109.000 Euro vorgesehen, unabhängig von der Zahl der Familienmitglieder. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat aufgrund der tragischen Ereignisse am Mittwoch alle Termine gestrichen und traf Angehörige der Opfer, denen ihr tiefes Mitgefühl gilt.

Der Sanitäter, der getötet wurde, war ein langjähriger Mitarbeiter des Roten Kreuzes (siehe Bericht unten). "Er war der Motor der Dienststelle. Er hat die Dienststelle Annaberg mit seinen eigenen Händen errichtet", sagte der RK-Vizepräsident für Niederösterreich, Josef Schmoll.

Zum Vorfall in Annaberg meinte der Vize-Präsident: "Das ist ein Wahnsinn. (...) Es handelt sich hier um Menschen, die ihr Leben, egal ob sie Polizisten oder Rettungsmitarbeiter sind, für die Bevölkerung einsetzen." Der Tod der Einsatzkräfte habe bei Schmoll "tiefe Betroffenheit" ausgelöst. Es habe keine Möglichkeit gegeben, in dieser Situation deeskalierend einzuwirken, weil der Täter "aus dem Auto heraus" geschossen habe. "Das war eigentlich ein Einsatz, um Leben zu retten."

Leiche lag in Geheimraum

Nachdem der Wilderer drei Polizisten und einen Rotkreuz-Mitarbeiter in Annaberg erschossen hatte, raste er zu seinem etwa 60 Kilometer entfernten Anwesen bei Melk und verschanzte sich dort. Eine Hundertschaft an Einsatzkräften belagerte stundenlang das Gehöft. Ab 18.20 Uhr erfolgte der Zugriff der Einsatzkräfte. Gegen Mitternacht entdeckten die Einsatzkräfte dann in einem Geheimraum eine stark verbrannte Leiche. Bei dieser dürfte es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um den 55-Jährigen handeln.

Durch begleitende Ermittlungsarbeit während der Durchsuchung des weitläufigen Anwesens hatte die Polizei Kenntnis von dem Versteck erhalten. In einem Gang des Wohnhauses ließ sich eine Wand wegdrücken, wodurch man in einen bunkerartigen Geheimraum gelangte. "Die Einsatzkräfte haben die Tür geöffnet und wollten in den Raum eindringen, im Raum selbst hat es aber gebrannt", so Polizeisprecher Roland Scherscher bei einer Pressekonferenz in Melk. Der zuströmende Sauerstoff hatte die Flammen zusätzlich angefacht. Als das Feuer gelöscht wurde, "konnte eine verbrannte männliche Leiche entdeckt werden", sagte Scherscher.

Die stark verbrannte Leiche befand sich laut Polizei in einem "entsprechenden Zustand". Obwohl es kaum Zweifel gibt, dass es sich dabei um den 55-Jährigen handelt, wurde dadurch die Feststellung der Identität und der Todesursache erschwert. "Wir sind froh, dass wir den Einsatz nach 24 Stunden beenden konnten", sagte Scherscher.

Risiko

Insgesamt standen 135 Beamte der Cobra und 200 Exekutivkräfte im Einsatz. Das Gebäude sei von den Beamten vollständig untersucht worden, es könne davon ausgegangen werden, dass sich nichts Gefährliches mehr darin befindet. Die Durchsuchung des Anwesens - es war zweigeschoßig, sehr verwinkelt mit zahlreichen Räumen und sehr vollgeräumt - war äußerst kompliziert und risikoreich. Entsprechend vorsichtig ging man vor: Der Täter hätte "hinter jeder Ecke lauern können". Bei der Durchsuchung hat es dann keinen Schusswechsel mehr gegeben. Um 0.15 Uhr wurde schließlich die Leiche des Verdächtigen in einem versteckten Raum im Keller des privaten Wohnhauses gefunden.

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Drama beim Rettungseinsatz

„Das ganze ist unbegreiflich. Es hat einen unserer verdientesten Mitarbeiter erwischt“. Der Sprecher des niederösterreichischen Roten Kreuzes, Andreas Zenker, ist tief betroffen. Johann Dorfwirth, Gründungsvater der Rot-Kreuz-Ortsstelle in Annaberg im Bezirk Lilienfeld, ist Montagnacht am Steuer seines Einsatzfahrzeuges im Kugelhagel des Amokschützen gestorben.

Die Rettung war kurz vor Mitternacht zur Versorgung des angeschossenen Cobra-Mannes angefordert worden. Der ehemalige Ortsstellenleiter Johann Dorfwirth aus Annaberg war sofort zur Stelle. Er war mit einer 59-jährigen Kollegin zum Einsatz ausgerückt. Aus Sicherheitsgründen nahm ein Polizeibeamter am Beifahrersitz des Rettungswagens Platz. Bei der Anfahrt zum Tatort eröffnete der Wilderer, der sich verschanzt hatte, sofort das Feuer. „Er hat unseren langgedienten Mitarbeiter einfach hinter dem Steuer erschossen“, erklärt Zenker.

Der Polizeibeamte am Beifahrersitz wurde leicht verletzt. Nur die Sanitäterin, die im Patientenraum saß, blieb unversehrt. Laut ihrer Tochter erlitt die Frau aber einen schweren Schock.

Der 70-jährige Rettungssanitäter war ein Aushängeschild der uniformierten Freiwilligen. Seine ehrenamtliche Arbeit in 32 Jahren beim Roten Kreuz wurde mit 14 Auszeichnungen und Ehrungen gewürdigt.

Dorfwirth war eine schillernde Persönlichkeit, dem für seinen unermüdlichen Einsatz für das Allgemeinwohl großer Respekt zu Teil wurde. Dorfwirth war es auch, der beim Begräbnis von Innenministerin Liese Prokop den Sarg chauffierte.

„Er hat mit bloßen Händen die Ortsstelle mitaufgebaut und war seither unermüdlich mit dabei“, sagt Zenker. Der zweifache Familienvater hat in seiner Laufbahn mehr als 7000 Ausfahrten für die Einsatzorganisation absolviert. „Es sind alle geschockt“, sagt Zenker. Nicht nur die Familie des getöteten 70-Jährigen musste psychologisch betreut werden. Auch jene 59-Sanitäterin, die im Patientenraum des Rettungswagen hinten mitfuhr und die Bluttat über-lebte hat, brauchte die Betreuung des Kriseninterventionsteams.

Einer, der die Bluttat hautnah miterlebt hat, war Herbert Nutz. Der Ortsstellleiter der Bergrettung Annaberg saß zu Hause, als sich am Montag gegen Mitternacht der erste Schusswechsel direkt vor seinem Anwesen abspielte. „Einige Projektile sind in meinem Haus eingeschlagen, auch mein Auto wurde getroffen“, sagt Nutz. „Zum Glück wurde niemand von meiner Familie verletzt.“

Auch Anton Wieland erlebte die dramatischen Momente: „Ich habe Schüsse gehört und bin sofort in meinem Haus in Deckung gegangen. Ich habe mich gar nicht mehr beim Fenster hinausschauen getraut. Ein Wahnsinn, was ein Mensch anrichten kann.“

Geiselnahme im Bezirk Melk

GEISELNAHME IN NIEDERÖSTERREICH

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foto mit Alois Huber werden von Nachbarn auf der G…

Szenen aus Kolapriel bei Melk , Wilderer alois hub…

Szenen aus Kolapriel bei Melk , Wilderer alois hub…

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Szenen aus Kolapriel bei Melk , Wilderer alois hub…

Szenen aus Kolapriel bei Melk , Wilderer alois hub…

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GEISELNAHME IN NIEDERÖSTERREICH

Szenen aus Kolapriel bei Melk , Wilderer alois hub…

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polizei

GEISELNAHME IN NIEDERÖSTERREICH

GEISELNAHME IN NIEDERÖSTERREICH

GEISELNAHME IN NIEDERÖSTERREICH

GEISELNAHME IN NIEDERÖSTERREICH: BLUTSPUREN

Police stand near the villages of Grosspriel and K…

Die Flucht des Wilderers

Serientäter soll acht Hirsche erlegt haben

Noch ist nicht vollständig gesichert, ob es sich beim Amokschützen Alois Huber tatsächlich um den seit langem gesuchten Wilderer handelt. Das Deliktregister des mutmaßlichen Serientäters ist jedenfalls umfangreich. Seit mehreren Jahren soll er in Niederösterreich und der Steiermark sein Unwesen getrieben haben.

Begonnen hat die Wilderer-Serie bereits 2008 im steirischen Gesäuse. Seit 2009 konzentrierte sich das Vorgehen des Wilderers auf den Bezirk Lilienfeld, NÖ. Vor allem im Raum Annaberg soll der Mann zugeschlagen haben. Immer wieder wurde seitdem illegal geschossenes Wild gefunden, meist kapitale Hirsche.

Schon früh erkannten die Ermittler, dass es sich um ein und denselben Täter handeln musste, war doch das Vorgehen bei den Vorfällen fast identisch. Von den Hirschen wurden stets nur die enthaupteten Kadaver gefunden. Die Köpfe der Tiere waren mit einem scharfen Messer fachmännisch abgetrennt worden. Zudem deutete vieles darauf hin, dass das Wild aus einem Auto heraus erschossen wurden. „Die toten Hirsche lagen immer in Straßennähe, oft auf einer Wiese“, berichtete der Lilienfelder Bezirksjägermeister Martin Schacherl. Er selbst weiß von sechs gewilderten Tieren innerhalb von sechs Jahren in seinem eigenen Hegebereich. Jeweils ein weiterer starker Rothirsch wurde in einem südlich von Annaberg gelegenen steirischen Revier und bei Falkenstein im Bezirk Mistelbach erlegt.

Ob weitere Taten auf das Konto des gesuchten Wilderers gehen, ist noch nicht bekannt. Insgesamt wurden in der Region in den vergangenen Jahren aber mindestens acht Wildkadaver mit abgetrennten Häuptern gefunden.

„Wir sind alle schwer geschockt“, sagte Schacherl am Dienstag. Eigentlich sei vermutet worden, dass der erhöhte Druck durch die Polizeifahndung und die gesteigerte Aufmerksamkeit der Bevölkerung den Schützen vertrieben haben könnten. Schließlich war längst das Landeskriminalamt eingeschaltet und die Fahndungsmaßnahmen verschärft worden. Tatsächlich dürfte sich der mutmaßliche Täter zusehends verfolgt gefühlt haben.

Alois Huber stand entgegen erster Meldungen nie im Visier der Behörden – ermittelt wurde gegen Unbekannt. „Er wird vermutlich bemerkt haben, das die Kontrollen verstärkt wurden. Deshalb dürfte er das Gebiet gewechselt haben“, sagte der Bezirksjägermeister. Über die Motive kann bisher nur gerätselt werden.

Hunderte Anzeigen jährlich

Jedes Jahr kommen in Österreich Hunderte Fälle von Wilderei zur Anzeige. Das Strafrecht spricht dabei von einem "Eingriff in fremdes Jagd- oder Fischereirecht" und sieht einen Strafrahmen von bis zu sechs Monaten Haft bei gewöhnlicher, bis zu drei Jahren bei schwerer Wilderei vor.

Der Begriff der Wilderei umfasst schon den Versuch, ein Tier zu erlegen, sowie die Beschädigung anderen Besitzes bei der illegalen Pirsch. Als schwerwiegend wertet das Gesetz dabei, wenn es sich um Sachwerte von mehr als 3.000 Euro handelt, Tiere in der Schonzeit geschossen oder den Wildbestand gefährdende Fallen und Giftköder verwendet werden. Ein ausgewachsener Hirsch kann einen Wert von 6.000 Euro erreichen. Auch gewerbsmäßige Wilderei gilt als schwerer Gesetzesverstoß.

Im Vorjahr gab es 287 Anzeigen wegen einfachem und 34 wegen schwerem Eingriff in das Jagd- und Fischereirecht. In der Dekade davor pendelte die Zahl zwischen 300 und 500 Anzeigen. Laut Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch das Innenministerium für das Jahr 2011 wurden im Zusammenhang mit Wilderei in 55 Fällen Haftstrafen verhängt. Für 2012 liegen noch keine Zahlen vor.

Kommunikationskrise Amoklauf

„Es ist eine Grundregel der Krisenkommunikation: Wenn ich noch nicht alles weiß, darf ich keine Details nach außen geben“, meint Kommunikationsberater Rudi Fussi. Er kritisiert die Informationspolitik der Behörden zu dem Amoklauf in Annaberg als „dilettantisch“.

Zunächst habe die Polizei in einer Presseaussendung auf den Fall mit zunächst drei Toten aufmerksam gemacht, dann alle Redaktionen ersucht, nicht zu berichten. Später wurde eine Presseaussendung herausgegeben, in der nur noch von einer Schussabgabe die Rede war. um später zu bestätigen, was ohnehin schon alle wissen mussten: Der gestellte Wilderer soll drei Menschenleben auf dem Gewissen haben, ein viertes Opfer tötete er später.

Offen und dicht

„Im Grunde genommen wurden hier zwei Kommunikationsstrategien verfolgt: Offen kommunizieren und dichthalten“, analysiert Fussi, der kritisiert, dass die Polizei damit den Medien einen Hü-Hott-Kurs aufgezwungen habe: Zunächst hatten zahlreiche Online-Portale von den Toten berichtet, danach gar nicht mehr, um später die von der Polizei verbreitete abgeschwächte Version zu verbreiten. „Wir leben aber nicht mehr im Jahr 1960, wo man ein Gebirgstal absperren kann und die Informationen dringen nicht mehr nach außen“, meint Fussi.

Dass die Polizei vorübergehende Informationssperren verhängt, ist wiederum für Kommunikationswissenschafter Peter Vitouch im Sinne der Kooperation zwischen Medien und Behörden ein „Gentlemen’s Agreement“, an das sich alle halten sollten. Allerdings: „Es ist kein Zwang. In einer Demokratie ist es zum Glück nicht möglich, Medien zum Stillhalten zu verpflichten.“

Ein ähnliches freiwilliges Abkommen gebe es bei Selbstmorden. Weil Studien ergeben haben, dass Berichte über Freitode Nachahmer inspirieren, sind Medien äußerst zurückhaltend in ihrer Berichterstattung zu solchen Ereignissen. Nur in seltenen Fällen wird berichtet.