Albert Gesellmann im Gespräch mit kurier.at

Der Rotwein-Winzer des Jahres über das Weinjahr 2008, das Besondere am Blaufränkisch Hochberc und seine "volle Hose" bei der Bio-Dynamie.

Albert Gesellman ist ein würdiger Sieger der Falstaff-Rotweinbewertung. Die Qualität seiner Weine ist jedes Jahr auf allerhöchstem Niveau. Fast war es nur noch eine Frage der Zeit, bis er sich den Titel Rotwein-Winzer des Jahres holte. Im Gespräch mit kurier.at erzählt der Winzer von der wertvollen Lage Hochberg. In historischen Dokumenten wurde sie bereits im 15. Jahrhundert erstmals erwähnt und über die Jarhhunderte hinweg stets als gute Lage gepriesen. Die damalige Schreibweise lautete "Hochberc" mit C.

Der gefeierte Wein wurde 2006 erst zum zweiten Mal gemacht. Und obwohl Gesellmann den 2005er bevorzugen würde, gewann der noch nicht so ganz entwickelte 2006er die Falstaff-Wertung. Für den Burgenländer ist der 2005er Premierenwein eleganter, die Mineralik des Bodens komme viel besser zur Geltung. Der Oberboden besteht aus sandigem Lehm, darunter ist Kalksandstein. Die Stilistik der Weine soll finessenreich und feingliedrig sein. Den 2006er sieht Gesellmann noch in der Fruchtphase und sehr opulent. Die Mineralik werde sich vermutlich erst in den nächsten Jahren stärker entwickeln.

2008 - ein Jahr der Fleißigen

Den aktuellen Jahrgang bezeichnet der Deutschkreutzer als Jahr der Fleißigen. Im Mittelburgenland gab es sehr viel Niederschlag und Hagelschäden. Der Austrieb erfolgte früh, aber schleppend. Das wirkte sich bei Blaufränkisch, Merlot und Cabernet Sauvignon sogar positiv aus, weil die Trauben "verrieselten". Das heißt, nicht jede Blüte wurde zur Beere und die Trauben waren lockerbeeriger und dadurch extraktreicher und weniger anfällig für Krankheiten.

Der Sommer war nicht allzu warm und obendrein gab es Mitte August massive Hagelschäden. Der "Glücksbringer" des Jahres war das darauf folgende wunderschöne Wetter mit Tagen mit bis zu 32 Grad. Diese heiße und trockene Phase dauerte fast ein Monat an und rettete den Jahrgang.

Die Ernte war Mitte Oktober abgeschlossen, die Weißweine sind fruchtintensiv mit erstaunlicher Alkoholausbeute und kräftiger Säure. Die Rotweine fielen sehr unterschiedlich aus. Krankheiten wie Traubenwelke und falscher Mehltau setzten den Trauben sehr zu. Aber trotz massiver Einbußen bei der Ertragsmenge konnten durch viel Handarbeit gute Qualitäten erreicht werden. Trotz viel Feuchtigkeit waren die Trauben dickschalig, was sich positiv auf die Tanninstruktur auswirkt. Eine Besonderheit des Jahrgangs wird die Farbtiefe werden, sogar der üblicherweise hellere Pinot Noir wurde fast schwarz. Insgesamt sieht Gesellmann die Qualität des Grundprodukts über der des Vorjahres, sorgfältige Handernte war aber so wichtig wie nie zuvor. Ertragsmäßig war es allerdings um ein Drittel (!) weniger.

"Die Hosen voll gehabt"

Gesellmann spielt seit einigen Jahren mit dem Gedanken, auf bio-dynamische Bewirtschaftung umzusteigen. Teilflächen werden schon biologisch gepflegt, aber noch nicht bio-dynamisch. "Da hab ich die Hosen voll gehabt". Beim Rotwein sei es schwieriger, mann könne keinerlei Botrytis (Anm: Edelfäule) gebrauchen. Der Winzer will noch seine "Hausaufgaben machen". Viel Humusaufbau, die Trauben müssen noch lockerbeeriger werden. Eine Umstellung werde erst in ein paar Jahren erfolgen.

Gesellmann ist aber überzeugt davon, "dass es funktioniert". Bei bio-dynamischer Arbeitsweise geht es um einen ganzheitlichen Ansatz, eine eigenen Philosophie: Pflanze, Mensch, Kosmos - alles steht in einem dynamischen Zusammenhang. Mit Tees und speziellen Präparaten werden die Pflanzen angeregt, sich selbst zu stärken. Erfolge von befreundeten Winzern wie Bernhard Ott, Karl Fritsch, Paul Achs oder anderen sprächen für dieses System.

Der Deutschkreutzer versteht jedenfalls andere Kollegen nicht mehr, die mit tonnenschwerem Gerät auf nassem Boden arbeiten - "das verzeiht er zehn Jahre lang nicht!"

DAC: "Es wird viel Geld verpulvert"

Auf die Frage, wie Albert Gesellmann eigentlich mit der Herkunftsbezeichnung Mittelburgenland-DAC zufrieden sei, reagierte er zurückhaltend, gab aber dann doch zu, kein "Freund davon" zu sein. Der Zug im Mittelburgenland sei bereits abgefahren - nun werde er wieder aufgehalten und das Rad muss aufs Neue angetrieben werden. "Es wird viel Geld verpulvert".

Der Nutzen für den Export ist für Gesellmann nicht existent: " Kein Mensch kennt im Ausland den Mittelburgenland DAC." Im Bordeaux begegnet man Absatzproblemen mit Rebsortenmarketing. Die Sorte steht im Vordergrund, Regionsbezeichnungen treten in den Hintergrund - da sei es nicht zu verstehen, dass man in Österreich den gegensätzlichen Weg beschreite.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Interview

Erstellt am 05.12.2011