Chronik | Niederösterreich
04/12/2019

Akku-Zug schafft 70 Kilometer, ohne die Luft zu verpesten

Österreich-Premiere für umweltfreundlichen Zug mit Elektro-hybridem Batterieantrieb und Akku-Speicher.

Klimaschutz macht im 21. Jahrhundert auch vor der Schiene nicht Halt. Anstatt rauchender Dieselloks gibt es nun eine umweltfreundliche Alternative für nicht elektrifizierte Bahnstrecken. Der „Cityjet eco“, eine Entwicklung von Siemens in Zusammenarbeit mit den ÖBB,  feierte am Freitag am Hauptbahnhof Wiener Neustadt seine Österreich-Premiere. Der Triebwagen mit Elektro-hybridem Batterieantrieb hat nur halb so viel CO2-Ausstoß wie seine Diesel-Gefährten.

Bei seiner Jungfernfahrt wurden Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitnerder Vorständin des ÖBB Personenverkehr, Michaela Huber und zahlreichen anderen Festgästen die Vorzüge des „Akkuzug“ demonstriert.

Mehr Fahrkomfort

Für die ÖBB ist der Cityjet eco ein „Leuchtturmprojekt, das das Potenzial hat, die noch vorhandenen Treibhausgasemissionen im österreichischen Bahnverkehr stark zu reduzieren, und das Angebot für die Fahrgäste gleichzeitig auf Cityjet-Niveau anzuheben.“

Der Zug "tankt" auf der elektrifizierten Strecke über die Oberleitung Energie und speichert sie in den eingebauten Batteriezellen am Dach. Kommt der Zug auf eine nicht elektrifizierte Strecke, fährt er flüsterleise mit der Energie aus den Akkuzellen. Die Reichweite mit einer Akkuladung liegt je nach Beschaffenheit der Strecke bei etwa 70 bis 80 Kilometer.

Die Basis des Zugs stammt aus der laufenden Serienproduktion des Siemens Desiro ML. Der sechs Millionen Euro teure Cityjet wurde so umgebaut, dass drei Batteriecontainer samt Kühler auf dem Dach Platz finden. Für den Prototypen belaufen sich die Umbaukosten samt Batterien und Zubehör auf knapp zwei Millionen Euro.

15 Jahre Lebensdauer

Verwendet werden Lithium-Titanat-Batterien die verglichen mit herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien eine deutlich schnellere Aufladung zulassen. Die Lebensdauer der Akkus soll bei rund 15 Jahren liegen. Bei einer Gesamtnutzungsdauer des Zugs von etwa 30 Jahren müssten sie daher einmal getauscht werden.

In den kommenden Monaten wird der im Batterie-Modus 120 km/h schnelle Zug an der Aspanglinie in Niederösterreich und an anderen Teststrecken auf Herz und Nieren geprüft.