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40 verwahrloste Hunde gerettet
Die Tiere vegetierten in einem Wohnhaus im Bezirk Tulln unter unvorstellbaren Bedingungen im eigenen Kot und Urin.
Ein extremer Fall von Animal Hoarding raubte den Tierrettern sprichwörtlich den Atem: Rund 40 Hunde wurden am vergangenen Wochenende aus einem Haus in der Gemeinde Großweikersdorf, Bezirk Tulln, abgeholt. Die Tiere waren verwahrlost, unterernährt und voller Parasiten. Sie werden jetzt in mehreren nö. Tierheimen versorgt. Erst als die Hundebesitzerin starb, flog der Fall auf. "Die Frau hat mit zwei Pudeln begonnen und dann weitere Hunde aufgenommen", sagt Nina-Maria Zinn-Zinnenburg, Obfrau des Tierheimes Krems. Die Tiere vermehrten sich. "Als es von Nachbarn Beschwerden über den Lärm gab, hat sie die Hunde einfach nicht mehr rausgelassen."
Die hygienischen Zustände im Haus sind entsprechend. Kot und Urin überall. Der Gestank war penetrant, die Helfer von den Tierheimen konnten das Haus bei der Abholung nur mit Atemschutz betreten. Das Fell einiger Hunde war so verfilzt, dass sie nur unter Narkose geschoren werden konnten.
Dennoch: Die Tiere sind zwar in einem schlechten Zustand – doch sie werden allesamt überleben und wieder aufgepäppelt. Für die Hunde werden nun neue, geduldige Besitzer gesucht. Infos gibt es in den Tierheimen Krems, Mistelbach, St. Pölten und beim Tierschutzverein Klosterneuburg.
Walter P., Witwer der verstorbenen Hundehalterin, hatte die Behörden selbst informiert: "Am Freitag gegen zehn Uhr Vormittag ist meine Frau gestorben, am Nachmittag hab ich dann die Polizei angerufen, damit sie die Hunde abholen."
Am Samstag wurden die Hunde schließlich unter Aufsicht des Amtstierarztes Christoph Hofer-Kasztler abtransportiert. Nachbarn erzählen, dass P. dabei von einem der eigenen Hunde gebissen worden sei. Am Montag trug er einen dicken Verband am rechten Arm.
Die Hunde haben wie auch das Wohnhaus seiner Frau gehört, betont Walter P. Erst in den vergangenen zwei Jahren hätten sich die Tiere so stark vermehrt: "Ich habe sogar versucht, die Welpen über das Internet zu verkaufen, um 190 Euro inklusive Impfungen und Chip."
Vor Jahren habe es nach Lärm-Beschwerden der Nachbarn schon behördliche Kontrollen gegeben; damals sei aber nichts zu beanstanden gewesen, sagt Bezirkshauptmann Andreas Riemer. Jetzt werde ein Tierhalte-Verbot gegen P. überlegt; auch die Staatsanwaltschaft wurde informiert. Ob er die beiden bis Montag nicht abgenommenen Hunde behalten darf, ist demnach mehr als fraglich.