Chronik | Niederösterreich
26.01.2018

1600 Menschen verlieren einzigen Arzt

Mediziner kündigte, weil Ordination trotz Versprechungen nicht saniert wurde.

Eine bittere Pille haben die rund 1600 Einwohner von Spitz in der Wachau zu schlucken: Kürzlich wurde bekannt, dass ihr einziger Arzt aus Enttäuschung über leere Versprechungen der Gemeindeführung abwandert. Bei einem Informationsabend drängten sich Mittwochabend rund 160 Menschen im größten Saal des Ortes und verlangten Erklärungen vom Bürgermeister.

Der praktische Arzt und Orthopäde Holger Chromy hat seine Verträge mit 31. März gekündigt. Das bestätigte er bei der vom Arbeitskreis Welterbe Wachau organisierten Versammlung.

Verzögerung

"Bis Ostern 2017 sollte es eine sanierte Ordination geben. Ohne diese Zusicherung des Bürgermeisters hätte ich mich gar nicht für Spitz entschieden", erklärt Chromy. Schon 2016 habe es die Genehmigung für die Ordination, die weder barrierefrei ist noch sonst aktuellen Anforderungen entspricht, nur wegen dieses Versprechens gegeben. Bei der Versammlung erklärte er, er habe die Kommunikation in der Angelegenheit mit der Gemeinde – die sein Abgang überrascht – als "chaotisch" empfunden.

Die Ordination ist in einem Gebäude untergebracht, das der "Stiftung Allerheiligen" gehört. Deren Verwaltung liegt beim Gemeindevorstand unter ÖVP-Bürgermeister Andreas Nunzer. Der erklärte, der Stiftung fehle das Geld für eine Sanierung. Er wolle das Gebäude verkaufen und mit dem Erlös eine Ordination im Dachgeschoß eines Gemeindehauses einrichten. Die Verzögerung erklärt er damit, dass sich lange kein Käufer fand. Ein Interessent sei abgesprungen. Nun gebe es einen Investor, der das Haus erwerben und samt Ordinationsräumen sanieren will. Zu spät: "Ein privater Vermieter wird deutlich mehr Miete verlangen als die Gemeinde", meint Chromy und winkt ab. Nun bangen die Spitzer, ob sich ein Nachfolger findet.

Christian Hirtzberger vom Arbeitskreis Welterbe Wachau kritisiert den Alleingang des Bürgermeisters: "So eine Politik macht die Gemeinde zum Patienten." Er schlägt nun eine Bausteinaktion und ein Hilfsersuchen ans Land vor, um Geld für Ordinationsräume aufzutreiben.

"Ich wusste nichts, selbst der Vizebürger wurde nicht informiert", klagt auch Gemeindevorstand Bernd Reiter von der Bürgerliste SGL. Der Arbeitskreis gibt dem Bürgermeister nun zwei Wochen Zeit und will bis dahin Auskunft, wie es weiter gehen soll.