Eine Frau wollte vor dem Sommer noch ein bisschen Gewicht verlieren (Symbolfoto)

© /Yuri_Arcurs/iStockphoto

Nach Abmagerungskur ins Koma gefallen
06/05/2016

Nach Abmagerungskur ins Koma gefallen

Koffein-Behandlung könnte die Ursache sein. Nun lebt die Betroffene mit implantiertem Defi.

von Michaela Reibenwein

Monika I. achtet auf ihr Äußeres. Doch im vergangenen Jahr könnte ihr das fast das Leben gekostet haben. Die Lehrerin wollte vor der Bikini-Saison etwas Gewicht verlieren und bekam in ihrem Schönheitsstudio Wickel mit Algen und Koffein. Im Vorfeld erhielt sie auch Kapseln, die das Hungergefühl unterdrücken sollten. Doch unmittelbar nach der Behandlung im Studio bekam die Wienerin Herzkammerflimmern, wurde bewusstlos und lag tagelang im Koma.

"Eine Folge der Behandlung", ist Rechtsanwalt Bernhard Hofer überzeugt. Er hat eine Klage gegen das Unternehmen und die Studioleiterin eingereicht. Stephan Trautmann, der die Studiobesitzerin vertritt, meint hingegen: "Die Kausalität fehlt mir. Es muss andere Gründe gegeben haben. Nahrungsergänzungsmittel sind in meinem Verständnis eher harmlos."

Früher lief Frau I. Marathon, heute kann sie nur mehr halbtags arbeiten. Sie hat Probleme beim Sprechen. Zumindest die vorübergehenden Schwierigkeiten beim Gehen und Schreiben sind wieder weg. "Mir wurde ein Defibrillator eingesetzt. Und ich muss starke Medikamente nehmen – mit der Nebenwirkung, dass ich unter Emotionslosigkeit leide", erzählt sie.

Erinnerungslücken

Was im Juni 2015 genau passiert ist, daran kann sie sich nicht erinnern. "Mir fehlt der gesamte Monat. Als wäre ich da gar nicht dabei gewesen", schildert sie.

Fest steht: I. reagiert sehr stark auf Kaffee. "Ich trinke keinen, da wäre ich 24 Stunden munter. Ich bekomme davon Herzrasen. Dass in den Tabletten Koffein war, wusste ich nicht." Das kann Anwalt Trautmann nicht glauben: "Ich gehe davon aus, dass alles ordnungsgemäß verlaufen ist."

Die Kapseln (drei davon sollte sie täglich nehmen) enthalten allerdings sehr viel Koffein. Die AGES hat die Tabletten analysiert. In ihrem Gutachten steht: Drei Kapseln entsprechen fünf Tassen Kaffee. Aufklärung über eventuelle Nebenwirkungen? "Gab es nie", ist I. überzeugt. Und auch auf der Homepage wirbt das Unternehmen damit, dass die Kapseln "frei von jeglichen Nebenwirkungen" sind.

"Die Kapseln allein werden es nicht gewesen sein", meint Anwalt Hofer. "Kapseln und Wickel haben eine starke Hitzeentwicklung verursacht, was zu Herz-Kreislauf-Störungen und zu hohem Puls geführt hat." Schließlich klappte I. mit Herzkammerflimmern im Studio zusammen.

"Meine Mandantin hat laut Notarzt nur knapp überlebt", sagt Hofer. "Sie war bereits blau angelaufen." Die Erste Hilfe sei mangelhaft gewesen. "Sie wurde nur in die stabile Seitenlage gebracht."

Er will deshalb auch die Studio-Betreiberin wegen unterlassener Hilfeleistung klagen. Der Anwalt der Unternehmerin kann das nicht verstehen: "Sie hat sofort den Notarzt gerufen. Das Ganze tut ihr furchtbar leid. Aber sie hat natürlich versucht, zu helfen."

In absehbarer Zeit sieht man sich vor Gericht. Dieses muss dann auch über die Schadenersatz-Forderung von 75.000 Euro entscheiden.

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