Chronik
04.03.2013

Missbrauch in Jugend-WG beschäftigt Grazer Politik

Nach den schweren sexuellen Übergriffen in Graz ist man nun auf Spurensuche.

Meine Tochter ist mit einem so schlechten Zeugnis heimgekommen“, schildert jene Grazerin, die einen entsetzlichen Fall von sexueller Gewalt gegenüber Kindern aufgedeckt haben dürfte. „Da hab’ ich nachgefragt, was da los ist und sie hat geweint und erzählt, was passiert ist.“

Die Schilderungen der Elfjährigen führten dazu, dass drei Burschen, 14 bis 17 Jahre, festgenommen worden sind: Sie sollen nicht nur die Elfjährige, sondern vier Mädchen vergewaltigt haben in einer Jugend-Wohngemeinschaft der Stadt, die unter Aufsicht von Betreuern steht.

Seit 2010 sollen die Mädchen (heute elf bis 16 Jahre) gequält worden sein. Die mutmaßlichen Täter seien geständig, betont Staatsanwalt Hansjörg Bacher. Drei wurden in U-Haft genommen, ein Vierter angezeigt.

Im Rathaus gehen die Wogen hoch. Bürgermeister Siegfried Nagl, ÖVP, verlangt bis Freitag einen Bericht und Konsequenzen. Denn Vorwürfe, dass in einer der vier betreuten Jugend-Wohngemeinschaften etwas schiefläuft, hat es schon im Oktober gegeben. Angezeigt wurde der Fall aber erst jetzt.

„Wir haben von einem nicht beteiligten Mädchen gehört, dass es zu sexuellen Handlungen gekommen sein soll“, beteuert Vasiliki Argyropoulos vom Jugendamt. „Wir haben die Betroffenen darauf angesprochen, aber sie haben nur von harmlosen Annäherungen gesprochen, weit entfernt von jeglichem Straftatbestand.“ Es sei völlig unerklärlich, wie Gewalt so lange unentdeckt bleiben konnte. „Wir zerbrechen uns den Kopf darüber, wie das passiert sein kann.“