Liebe, Watschen und Diskretion

St. Leopold…
Foto: Bernert Martin Schauplatz: Die zum Chorherrenstift Klosterneuburg gehörende Pfarrkirche St. Leopold

Ein Pfarrer soll ein Verhältnis gehabt und den Sohn seiner Geliebten geohrfeigt haben

„Meine Mandantschaft wird nicht hinnehmen, dass die Pfarre St. Leopold oder der hochwürdige Herr Simon N. zu Schaden kommen. Ich fordere Sie auf, das Fortkommen meines Mandanten schädigende Behauptungen zu unterlassen.“ Dieses im Namen des Stifts Klosterneuburg von Rechtsanwalt Christian Kuhn verfasste Schreiben erging an mehrere Empfänger im Umfeld der Pfarre.

Die angesprochenen „schädigenden Behauptungen“ haben tatsächlich Sprengkraft. Ist Simon N. doch Augustiner Chorherr und steht der Pfarre St. Leopold in Klosterneuburg vor. Ihm wird vorgeworfen, jahrelang mit einer geschiedenen Mutter liiert gewesen sein.

„Die Beziehung begann 2004 und lief bis vergangenes Jahr“, sagt Dominik B. (Name von der Redaktion geändert), 19-jähriger Sohn der betroffenen Frau und Ministrant in Simons Pfarre. Das Verhältnis sei für die Familie – Dominik ist kein Einzelkind – belastend gewesen: „Simon und meine Mutter haben gesagt, niemand dürfe davon wissen.“

Der Geistliche sei im Haus der Familie ein und aus gegangen und habe oft übernachtet. „Wir waren auch gemeinsam Ski fahren und in Italien am Meer“, sagt Dominik. Sogar einen Beagle namens „Schnappi“, hätten Simon N. und seine Freundin gemeinsam angeschafft.

Aussprache

Im Vorjahr stellte Dominik den Pfarrer zur Rede: „Er hat geschrien, das gehe mich nichts an und ich dürfe niemandem etwas sagen. Als ich antwortete, ich lasse mir nicht mehr den Mund verbieten, hat mir Simon eine Ohrfeige verpasst und gebrüllt, mir gehöre Vernunft eingeprügelt“, sagt Dominik B. Er ging nach dem Vorfall nicht zur Polizei, sondern schrieb einen Brief an den Geistlichen und wartete ab: „Alles, was ich wollte, war eine Entschuldigung.“

Als diese ausblieb, wandte sich der Jugendliche an die Ombudsstelle der Erzdiözese Wien für Opfer von Gewalt und Missbrauch in der Kirche. Selbst Kardinal Christoph Schönborn wurde von Dominik informiert.

Nach Vermittlungsbemühungen der Ombudsstelle kam es gut ein halbes Jahr später zu einem klärenden Gespräch vor dem Pfarrgemeinderat. Dieses fand unter Moderation eines vom Stift bestellten Anwalts statt: „Ich stand plötzlich unglaubwürdig und als Angeklagter da“, sagt Dominik.

Weitere zwei Monate später legte das Stift ein „Untersuchungsergebnis“ der Causa vor. „Die Vorwürfe wurden nach bestem Wissen und Gewissen untersucht. (...) Aufgrund Ihrer widersprüchlichen Aussagen ergibt sich das Bild, dass Ihre Behauptungen nicht nachvollziehbar sind. Für das Stift ist diese Angelegenheit erledigt.“

Nicht so für Dominik B.: „Seit dem Vorfall ist meine Familie gespalten.“ Als Ministrant assistiert Dominik dem Pfarrer trotzdem bis heute.

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?