Stadtgespräche: "Wien braucht keine Hilfssheriffs"

Wie sicher ist Wien ? Michael Ludwig, Mahrer
Foto: Kurier/Franz Gruber(4) Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, die stellvertretende KURIER-Chefredakteurin Martina Salomon sowie Vize-Polizeipräsident Karl Mahrer.

Vize-Polizeipräsident Mahrer und Wohnbaustadtrat Ludwig stellten sich den subjektiven Ängsten der Wiener.

Zum Auftakt des KURIER Stadtgesprächs "Wie sicher ist Wien" bezog sich Vize-Polizeipräsident Karl Mahrer auf die aktuelle, durchaus positive Kriminalstatistik: "In den vergangenen 15 Jahren ist die Bevölkerung der Stadt um zwölf Prozent gestiegen, die Kriminalität aber zeigt ein Minus von 16 Prozent." Allerdings, so der Polizei-General weiter, steigen Körperverletzungen und Cyberkriminalität an.

Mit dieser Einleitung versuchte Mahrer, dem wachsenden Angstgefühl in der Stadt zu begegnen. Noch war von Moderatorin Martina Salomon, der stellvertretenden Chefredakteurin des KURIER, die Publikumsrunde nicht eröffnet; die rund 200 KURIER-Leser hörten geduldig den Argumenten von General Mahrer und Wohnbaustadtrat Michael Ludwig zu. Der SPÖ-Politiker bestätigte weitgehend die Polizei-Diagnose: "Wenn etwa in Gemeindebauten eine Bande ausgehoben wird, die 600 Kellereinbrüche verübt hat, dann knabbert das am Sicherheitsgefühl der Bürger. Aber Wien ist nicht Paris."

Ludwig sprach auch die Entwicklung seit der Flüchtlingswelle 2015 an: "Die Menschen haben das Gefühl gehabt, dass die Dinge der Politik, der Polizei und dem Bundesheer entgleiten. Es gab ein Gefühl der Destabilisierung." Sein politisches Fazit: "Integration funktioniert nur dann, wenn nicht zu viele Menschen integriert werden müssen."

Wie sicher ist Wien ? Michael Ludwig, Mahrer Foto: KURIER/Franz Gruber Michael Ludwig

Salomon forderte konkrete Antworten von den beiden Führungskräften ein: "Herr General, was raten sie Frauen, die sich nicht mehr durch den Prater radeln trauen?" Dazu Mahrer: "Panik ist nicht angebracht. Wir sollen uns genauso verhalten und genauso feiern, wie wir das früher getan haben. Auch die Zahlen bei sexuellen Übergriffen steigen nicht. Und bitte rufen sie sofort den Polizeinotruf 133. Wir sind in prioritären Fällen in dreieinhalb Minuten vor Ort."

"Unsicher geworden"

Schon die ersten Wortmeldungen aus dem Publikum zeigten, dass erfolgreiche Polizeiarbeit wenig mit dem subjektiven (Un-)Sicherheitsgefühl der Bürger zu tun hat. Bruno Schachner bezog sich auf die Einleitung von General Mahrer, und er stimmte dem Polizei-General gar nicht zu: "Wien ist wesentlich unsicherer als vor zehn Jahren. Und die wachsende Cyber-Kriminalität ist es nicht, die mich am Abend überfällt."

Wie sicher ist Wien ? Michael Ludwig, Mahrer Foto: KURIER/Franz Gruber Wolfgang Fieglmüller

Wolfgang Fieglmüller, er wohnt am Laaer Berg in Favoriten, sprach über persönliche Erlebnisse: "Ich gebe Deutsch-Unterricht für Syrer und Iraker. Ich wurde zwei Mal überfallen. Einige Häuser weiter wurde drei Mal eingebrochen. Ist Wien da sicher?" Ein weiterer KURIER-Leser zweifelte die Polizei-Statistik mit einem Winston-Churchill-Zitat an: "Er sagte, ich glaube nur jenen Statistiken, die ich selbst gefälscht habe..."

Wie sicher ist Wien ? Michael Ludwig, Mahrer Foto: KURIER/Franz Gruber Karl Mahrer

Keine Haft für Täter

Eine Dame ging mit der Justiz hart ins Gericht: "Warum werden Straftäter so häufig auf freiem Fuß angezeigt. Diese Person lacht mir dann drei Tage später ins Gesicht." In weiterer Folge wurde kritisiert, dass Bezirke mit hohem Ausländeranteil (etwa Favoriten) zusätzlich noch die meisten Asylwerber zugewiesen bekommen.

Bei der Antwortrunde zogen Stadtrat Ludwig und General Mahrer alle Register. Die beiden erklärten unisono, sich das angedachte Alkoholverbot auf Wiens Bahnhöfen "genau anzusehen". Die Drogenproblematik in Wien sei "jetzt im Griff", und die Stadt habe keine "No-Go-Areas, wie etwa Paris".

Mahrer strich den Unterschied zwischen Einbrecherbanden und Asylwerbern heraus: "Flüchtlinge brechen nicht ein. Das sind organisierte Gruppen aus dem Osten." Der Vorschlag eines Herren, alle Hundehalter in Wien Streife gehen zu lassen, wurde abgelehnt: "Wir brauchen in der Stadt keine Hilfssheriffs."

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(kurier) Erstellt am
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