Ein BMI-Sujet wird auf einem Linienbus affichiert

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Chronik
07/28/2016

"Schlepper lügen": Die BMI-Kampagne in Afghanistan

Die Anti-Werbekampagne des Innenministeriums in Afghanistan ist abgeschlossen. Nun soll auch in anderen Staaten Migrationswilligen von Österreich abgeraten werden – unter anderem mittels TV-Seifenoper.

Anfang März präsentierte die damalige Innenministerin Johanna Mikl-Leitner eine Werbekampagne, die Österreich als Zielland für Migranten aus Afghanistan möglichst unattraktiv erscheinen lassen soll. "Asyl nur befristet" oder "Österreichs Asylrecht nun noch strenger" stand in roten Blockbuchstaben auf den deutschsprachigen Plakaten. Dass die Schriftart an FPÖ-Wahlwerbung erinnerte, war anschließend Thema in zwei parlamentarischen Anfragen. In Afghanistan sollten die Botschaften auf Dari, neben Paschto die zweite große Landessprache, verbreitet werden.

Die Sujets des Innenministeriums würden auf Titelseiten afghanischer Zeitungen zu sehen sein, im Fernsehen, in den sozialen Medien, auf Plakatwänden in großen Städten und auf Linienbussen, sagte Mikl-Leitner im März. Fünf Monate später ist die Kampagne abgeschlossen. Die Gesamtkosten des Projekts schlugen mit 13.647 Euro zu Buche. Kurier.at liegen nun auch die ersten Fotos des Innenministeriums aus Afghanistan vor.

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Doch noch keine TV-Spots

Was in Österreich nicht einmal für ein halbseitiges Inserat in einer Tageszeitung reicht, finanziert in Afghanistan eine kleine Kampagne. Die Tarife im vom Bürgerkrieg gebeutelten Land sind ungleich günstiger. Ein viertelseitiges Inserat in der englischsprachigen Afghanistan Times kostet laut Tarifblatt rund 270 Euro.

Ursprünglich waren auch TV-Spots im afghanischen Fernsehen geplant. Aus Österreich zurückgekehrte Afghanen sollten über ihre Erfahrungen berichten und die Landsleute zum Bleiben auffordern. Die Spots gibt es noch nicht. „Der organisatorische Aufwand war bisher zu hoch. Das kann aber noch werden“, sagt Alexander Marakovits, Leiter der Kommunikationsabteilung im Innenministerium. Der für 20 Spots im Gesamtbudget vorgesehene Posten von 2720 Euro sei noch nicht verbraucht worden.

Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob durch die Kampagne tatsächlich weniger Afghanen nach Österreich gekommen sind. Die Wirkung ist kaum zu messen. Dennoch scheint das Innenministerium von ihrer Effektivität überzeugt. Man habe vor, auch in anderen Ländern aktiv zu werden, sagt Marakovits. Im Gespräch seien Pakistan und veschiedene Staaten im Maghreb, deren Staatsangehörige nur geringe Aussichten auf Asyl in Österreich haben.

Im Juni hatte das Ministerium außerdem zu einer Konferenz in Wien geladen, an der mehrere EU-Staaten teilnahmen, um ein gemeinsames Vorgehen zu besprechen. Das Innenministerium hofft, künftige, größere Kampagnen mit anderen EU-Mitgliedsstaaten abzuwickeln, auch aus finanziellen Gründen. Bisher haben auch Deutschland und Norwegen Kampagnen zur Abschreckung in Afghanistan betrieben. Dänemark und Ungarn inserierten in libanesischen respektive jordanischen Zeitungen gegen die Flucht nach Europa.

Ebenfalls auf der Konferenz vertreten war das Flüchtlingshochkommissariat UNHCR, um von eigenen Erfahrungen zu berichten. "Auch das UNHCR informiert die Leute in Somalia und Eritrea vor den Gefahren der Flucht. Grundsätzlich finden wir es immer gut, wenn Menschen aufgeklärte Entscheidungen treffen", sagt UNCHR-Sprecherin Ruth Schöffl. "Gleichzeitig würde ich davor warnen, Kampagnen zu machen, die Leute mit besten Fluchtgründen von der Flucht abhalten." Entscheidend sei auch, ob die Menschen überhaupt erreicht werden.

BMI will Seifenoper in Pakistan finanzieren

Gerade in diesem Bereich könnten die Bemühungen bald noch einen Schritt weiter gehen. Unter Fernsehzusehern in Pakistan sind tägliche Seifenopern besonders beliebt. Deshalb kursieren unter den EU-Staaten bereits Pläne, ihre Botschaften gegen das Auswandern in eigens produzierten Seifenopern im pakistanischen TV zu platzieren. Im österreichischen Innenministerium ist man von der Idee angetan. „Es ist noch zu früh zu sagen, dass wir fix dabei wären“, sagt Marakovits vom Innenministerium. „Aber es laufen schon Gespräche und wir sind zuversichtlich und hoffen, dass wir bei dem Projekt mitmachen können.“ Die Federführung müsste allerdings ein anderer Staat übernehmen.