Chronik
05.01.2018

Inszenierung und Spott im Netz - Wahlkampf skurril in NÖ

Experten analysierten für den KURIER die Wahlkampagnen.

Streit mit Disney wegen der Star-Wars-Werbung der Grünen, Gigantomanie beim Plakatieren, die Erfindung der WG und das Begnügen mit den zweiten Platz. Noch hat der Wahlkampf zur Landtagswahl am 28. Jänner in NÖ noch gar nicht richtig begonnen – und treibt doch schon skurrile Blüten.

Das Victory-Zeichen als Hasenohren, aufgerissene Augen des Spitzenkandidaten Franz Schnabl und der Slogan "eine zweite Meinung": Bei der Plakatkampagne der SPÖ bleiben Betrachter vielfach ratlos zurück. "Die SPÖ NÖ ist diesmal wirklich ur lustig.....", heißt es etwa hämisch auf Twitter. Auch Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer findet sie nicht sehr gelungen. "Ich kann über die Kampagne nur den Kopf schütteln", sagt er.

Auf Schnabls Homepage finden sich weitere Sujets, doch die Botschaft würde nicht ankommen. So erschließe sich etwa die Farbkombination gelb-blau für NÖ und rot für die SPÖ nicht. Das Thema "zweite Meinung" sei zu defensiv. Die Botschaft sei, dass man eine andere Stimme als die ÖVP im Land brauche; ankommen würde aber, dass man sich mit dem zweiten Platz begnüge, meint Bachmayer. Anders sieht das Werbewirkungsforscher Jörg Matthes. "Die SPÖ versucht, sich neu zu inszenieren und stark personalisiert aufzutreten", sagt er. Sie wolle Aufmerksamkeit gerieren, sich einen frischen Anstrich verpassen und weg vom Image der starren SPÖ kommen. "Das erinnert stark an die Liste Kurz." Auch jetzt stehe mit Schnabl die Person im Vordergrund.

Während Matthes die Kampagnen der Mitbewerber für klassisch, berechen- und austauschbar, die der ÖVP gar für inhaltsleer hält, gefallen diese Meinungsforscher Bachmayer besser. "Gut" sei die Kampagne der FPÖ, die ihre Plakate im Stil früherer ÖVP-Kampagnen gestalten ließ und ihre Botschaften teils von der SPÖ übernommen habe. Simple Botschaften, die die Menschen verstehen, würden vermittelt. Ein gigantisches Plakat, das am Palmers-Haus in Wr. Neudorf angebracht wurde, signalisiere die Bedeutung der Partei. Laut Matthes ist die Plakatgröße ungewöhnlich, es gehe aber natürlich um Aufmerksamkeit.

Neos – für Bachmayer die beste Kampagne – und Grüne würden alles richtig machen, indem sie Gegensätze ("Kontrolle rein, Packelei und Willkür raus" von den Neos; "Gift raus, Bio rein" von den Grünen) konstruieren und damit indirekt die ÖVP angreifen. "Sie müssen Pfefferoni in die Kommunikation bringen, das schaffen sie", sagt er zu den Neos-Sujets.

Das Star-Wars-Debakel der Grünen – die Partei hatte ein Video in ähnlichen Kostümen und der typischen durchs Bild laufenden Schrift veröffentlicht und liegen nun im Clinch mit Disney – schade nicht, bringe aber auch nichts. "Der Niederösterreicher fragt sich eher: ‚Verkleidet sich Helga Krismer (Spitzenkandidatin, Anm.) als Engerl?’", sagt Bachmayer.

Dass die ÖVP sich bisher bei Plakaten zurückgehalten hat – plakatiert wurde mit dem Slogan "Wir" – ist für den Meinungsforscher logisch. Als führende Partei habe sie strategisch kein Interesse daran, große Wellen zu schlagen.Dass die JVP mit dem Vorschlag einer "flexiblen Wohnform" im Prinzip nur eine WG beschreibt – was für Spott im Netz gesorgt hat – stört Bachmayer nicht. Matthes hingegen hält das Thema für nicht "sehr schlau". Das sei wohl kein sehr wichtiges Wahlkampfthema, man müsse aufpassen, dass die Häme und Berichterstattung darüber nicht wichtigere überlagere. Apropos: Hier rät er der ÖVP noch nachzulegen. "Wenn andere Parteien Themen besetzen, muss ich darauf reagieren."