Chronik
11.09.2017

Diesel für viele weiter alternativlos

Blaulicht-Organisationen und öffentliche Verkehrsanbieter setzen weiter auf den umstrittenen Treibstoff.

" Diesel ist der Teufel und wir müssen ihn verbieten", äußerte Umweltschützer Simon Birkett unlängst seinen Unmut über den "höllischen" Kraftstoff. Seine Vision: London soll sich ein für alle Mal vom Dieselmotor verabschieden. Es scheint fast so, als liege die Verteufelung des Diesels derzeit voll im Trend.

So ist der Diskurs auch in Österreich voll im Gang. Dabei galt Diesel hierzulande als äußerst beliebt. Zumindest bisher. Denn noch im Vorjahr waren mehr als die Hälfte – nämlich 57,3 Prozent – aller Pkw-Neuzulassungen Dieselfahrzeuge.

Paradoxon

Angesichts der aktuellen Kritik könnte man meinen, dass sich mittlerweile eine gewisse Diesel-Skepsis breit gemacht hat. Insbesondere wohl, wenn Neuanschaffungen anstehen. Doch gerade im öffentlichen Sektor stößt Diesel weiterhin auf große Zustimmung. Das sorgt für ein wahres "Diesel-Paradoxon": Die einen wollen den Diesel besser heute als morgen verbannen, unterdessen setzen die anderen weiterhin auf den viel kritisierten Treibstoff.

Auf die Realität umgesetzt bedeutet das: Während die Diskussion munter fortgesetzt wird, erneuern beispielsweise die Wiener Linien gerade ihre Busflotte – und zwar mit knapp 500 Diesel-Bussen.

Im Herbst beginnt die zweite Hälfte der Flotten-Erneuerung. Seitens der Wiener Linien wird die Entscheidung "Pro-Diesel" bekräftigt. Denn noch vor der Bestellung der neuen Autobusse wurden die unterschiedlichen Antriebsarten gemeinsam mit der TU Graz getestet, da man sich "nicht auf Werte vom Prüfstand verlassen" wollte. Das Fazit: "Wir haben herausgefunden, dass Diesel am besten ist", zieht Pressesprecher Daniel Amann Bilanz.

Damit war auch das Ende der Flüssiggas-Flotte besiegelt. Auch die Elektro-Busse kamen nicht zum Zug. Sie werden in Wien nur auf vereinzelten Innenstadt-Linien verwendet.

Kein Einzelfall

Ganz ähnliche Entwicklungen gibt es in St. Pölten. Auch dort rollen seit 1. September wieder Diesel-Busse durch die Stadt – sie ersetzen die bisherige Gas-Flotte. "Natürlich ist uns bewusst, dass es derzeit eine intensive Diskussion um den Diesel gibt. Man muss aber betonen, dass es sich um Busse handelt, die die Schadstoffnorm ,Euro 6’ erfüllen und damit umweltfreundlich sind. Die Technologie ist einfach noch nicht so weit, dass wir auf Elektrobusse umsteigen", sagt VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll.

Hoher Stromverbrauch

Auch bei den Einsatzkräften wird voll und ganz auf Diesel gesetzt. Andreas Zenker vom Niederösterreichischen Roten Kreuz sagt: "Elektroautos im Rettungsdienst kann ich mir derzeit nicht vorstellen. Wir geben viel Gas und bremsen sehr viel, das verbraucht viel Strom."

Benziner seien hingegen schlichtweg teurer. Der aktuellen Debatte stehe man aber gelassen gegenüber: "Falls eine Änderung kommt, werden wir das anpassen."

Die ganze Diskussion um den Diesel ist absurd

KURIER: Wird die Luft durch Diesel-Pkw mehr belastet als durch Lkw und Busse? Bernhard Wiesinger: Wenn es um die gesamte Emission geht: Nein. Denn die Mehrheit stammt von Lkw. Daher ist die ganze Diskussion absurd, weil Pkw sollen verboten werden und um die Lkw kümmert sich niemand.

Soll es ein Diesel-Fahrverbot geben?

Nein, erstens trifft es die Schwächsten. Denn die ältesten Autos werden von den Geringverdienern gefahren. Zweitens gibt es auch andere Möglichkeiten, die umgesetzt werden können. Die effizienteste ist die "Grüne Welle" an den Ampeln. Der Verkehr gehört optimiert. Das schlägt sich aber mit der Verkehrspolitik der Grünen und das ist ganz sicher Absicht.

Wie wäre ein Fahrverbot rechtlich zu betrachten?

Man könnte schon darüber diskutieren, ob man da nicht ins Eigentumsrecht eingreift. Das kann nicht willkürlich erfolgen. Vor allem, wenn Lkw und Busse weiterfahren. In Wien wird es jedenfalls sicher kein Diesel-Fahrverbot geben, ohne dass es eine verbindliche Volksbefragung gegeben hat.

Werden wir in Zukunft noch auf Diesel-Motoren zurückgreifen?

Für Motoren, die Leistung erbringen müssen, ist derzeit kein Ersatz erkennbar, beispielsweise ein Elektro-Lkw. Es ist derzeit nichts am Markt, das einen Diesel-Ersatz bieten könnte, denn hier gilt: Mit relativ wenig Kraftstoff bekomme ich viel Kraft. Schweres Gerät braucht daher Diesel.