18-Jähriger erschoss im Juli 2016 neun Menschen in München

© APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

münchen
03/17/2017

Eltern von Münchner Amokläufer in Österreich

Deutsche Medien berichten, dass die Eltern von David S. aufgrund von Drohungen nach Österreich übersiedelt wurden.

Bereits wenige Stunden nach dem Amoklauf in München wurde das Wohnhaus, in dem David S. mit seinen Eltern in der Münchner Innenstadt lebte, von Medien belagert. Die Adresse war ebenso schnell durchgesickert wie der Name des 18-Jährigen, der am 22. Juli 2016 bei einem Amoklauf neun Menschen erschossen und sich nach der Tat selbst gerichtet hat.

Wie deutsche Medien nun berichten, mussten die Eltern des Amokläufers mittlerweile aufgrund massiver Drohungen das Land verlassen. Sie sollen in ein Opferschutzprogramm aufgenommen worden sein und unter neuem Namen in Österreich leben, hieß es.

Das österreichische Innenministerium will und kann diese Berichte weder bestätigen noch dementieren, wie Sprecher Karl-Heinz Grundböck erklärt: "Wir geben keine Informationen zu Zeugen- und Opferschutzprogrammen." Kooperationen zwischen einzelnen Ländern würde es grundsätzlich in solchen Fällen selbstverständlich geben, erklärt er auf Nachfrage.

Motiv Mobbing

"Opferschutz heißt Opferschutz, weil wir die Opfer schützen wollen", stellte Freitagmittag auch Petra Sandles vom Landeskriminalamt Bayern bei einer Pressekonferenz in München noch einmal klar, warum es hierzu keine Auskünfte gibt. Polizei und Staatsanwaltschaft haben gestern ihren Abschlussbericht zu dem Amoklauf präsentiert. Obwohl David S. einen extremen Fremdenhass entwickelt und teils nationalsozialistische Parolen oder Symbole benutzt habe, sei die Tat nicht als politisch motiviert einzustufen, erklärte Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst. Das Motiv des Amoklaufs: Mobbing.

Der Schüler sei "ausgegrenzt, beleidigt und gedemütigt" worden, sagt Kornprobst. Und das über einen längeren Zeitraum. David S. entwickelte zunehmenden Hass. Und zwar auf Jugendliche mit Wurzeln im südosteuropäischen Raum. Es seien Jugendliche gewesen wie jene, von denen er sich in der Schule gemobbt fühlte und die damit in sein persönliches Feindbild passten.

59 Schüsse

Am 22. Juli nahm David S. schließlich Jugendliche mit Migrationshintergrund in einem Fastfood-Restaurant in München, auf der davor liegenden Straße und in einem Einkaufszentraum gegenüber ins Visier. Während seines Amoklaufs gab der 18-Jährige 59 Schüsse ab, wie die Polizei gestern in einer detaillierten Rekonstruktion des Abends erklärte.

Neun Menschen fielen der Tat von David S. zum Opfer. Mit dem letzten Schuss nahm er sich selbst das Leben. Für die Polizei steht nach Abschluss der Ermittlungen fest: Er war ein Einzeltäter. Jener Waffenhändler, der David S. die Pistole verkauft hat, ist angeklagt.

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