Mit vollem Risiko in ein neues Leben

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Flüchtlinge am Bahnhof.

Migranten verstecken sich in Containern, unter Lkw oder auf Schiffen. Sie planen die Flucht oft selbst.

Die von den Behörden prognostizierte Flüchtlingswelle ist nicht eingetreten. 2016 wird die umstrittene Flüchtlings-Obergrenze von 37.500 Personen nicht erreicht. Der Sprecher des Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck zum Status Quo: "Bis Ende November wurden 32.500 Asyl-Verfahren eingeleitet."

Trotzdem werden aktuell pro Tag durchschnittlich 100 bis 150 illegal eingereiste Personen in Österreich aufgegriffen. Obwohl die konventionellen Flüchtlingswege wie die Balkanroute oder der Marsch durch Italien so gut wie unpassierbar geworden sind, finden Flüchtlinge immer wieder neue Wege, um in ihre Zielländer zu kommen.

Doch die gewagten Manöver und Verstecke werden zunehmend gefährlicher und kosten Menschenleben. So etwa vergangenen Samstag in Wörgl: Zwei Migranten wurden von Lkw überrollt, weil sie sich auf Waggons der rollenden Landstraße versteckten.

Beinahe erfroren

Gerald Tatzgern, Leiter der Abteilung zur Bekämpfung von Schlepperkriminalität und Menschenhandel im Bundeskriminalamt spricht von gefährlichen Vorfällen: "Am 14. November wurden sieben Afghanen aus einem Eisenbahn-Container gerettet. Die Männer zwischen 15 und 20 Jahren waren vier Tage in dem Stahlbehälter eingeschlossen. Sie hatten keine Chance, den Container von innen zu öffnen und wären beinahe umgekommen." Der Vorfall ereignete sich am Güterbahnhof Kledering in Schwechat. "Wir überwachen jetzt das Gelände, denn es gab weitere Fälle", sagt Tatzgern.

Flucht auf der Donau

Zusätzlich werden auch Donauschiffe immer häufiger als Flüchtlingstransporter verwendet. Ende September führten die Landespolizeidirektionen Niederösterreich und Wien eine Großaktion auf der Donau durch. Damals wurden keine illegalen Personen auf den Schiffen entdeckt. Wenige Tage später gab es aber mehrere Aufgriffe von Migranten – vor allem Flüchtlinge, die versuchen, via Rumänien und Bulgarien nach Österreich zu kommen. Tazgern: "Wir bauen Druck auf die Kapitäne auf. Es muss sich herumsprechen, dass Schlepperei auf Schiffen im Fokus der Behörden steht."

Apropos Schlepper: Die Geschäfte dieser organisierten Kriminalitätsform liefen schon besser. Denn viele der jetzt nach Europa einsickernden Menschen versuchen ihr Glück ohne professionelle Schleuser. Einerseits, weil Informationen via Handy von erfolgreich geflüchteten Freunden und Verwandten zum Nulltarif zu bekommen sind, andererseits, weil Zäune und intensive Kontrollen das Schlepper-Handwerk erschweren. "Waren die Schleppernetzwerke 2015 noch gefragt, beobachten wir jetzt eine Art der Mischform. Migranten nehmen professionelle Hilfe für Teilpassagen der Flucht in Anspruch", sagt Tatzgern.

Ein weiterer Punkt, der die Schlepper-Branche trifft, ist die immer besser funktionierende Kooperation der EU-Mitgliedsstaaten. Karl-Heinz Grundböck: "Es gibt keinen staatlich organisierten Weitertransport der Flüchtlinge mehr. Die Massenbewegungen, etwa nach Deutschland, sind vorbei. Aus diesem Grund stellen aber auch beinahe hundert Prozent der aufgegriffenen Migranten in Österreich einen Asylantrag." Zur Erklärung: Italien und Ungarn waren massiv daran interessiert, dass Flüchtlinge ihr Hoheitsgebiet so schnell wie möglich passierten.


 


Aktuell

Neuerlich Flüchtlinge auf Güterzug in Tirol aufgegriffen

In der Nacht auf Donnerstag sind in Tirol bei Kontrollen der "Rollenden Landstraße" (Rola) neuerlich Flüchtlinge aufgegriffen worden. Elf Personen aus Guinea, Eritrea und Marokko, die per Güterzug illegal über den Brenner eingereist waren, wurden festgenommen, informierte die Tiroler Polizei.

Drei Personen aus Guinea und zwei Personen aus Eritrea wurden bei einer Kontrolle gegen 22.00 Uhr am Hauptfrachtenbahnhof in Innsbruck unter einem Lkw entdeckt. Ein weiterer Eritreer, der sich ebenfalls unter einem Lkw der Rola verborgen hatte, wurde gegen 4.30 Uhr aufgegriffen. Gegen Mitternacht fanden zudem Mitarbeiter der Rola beim Entladen der Lkw am Bahnhof Wörgl zwei Personen aus Eritrea sowie einen Marokkaner und zwei Personen unbekannter Nationalität.

(kurier) Erstellt am
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