Das große Geld mit Fälschungen: Rekord bei Medikamenten

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Foto: KURIER/Franz Gruber Eine Lkw-Ladung für den Müll

Vor allem gefälschte Potenzmittel aus China und Indien wurden sichergestellt.

Der Lkw ist voll beladen – nagelneue Taschen, Schuhe und Sportkleidung haben die Mitarbeiter des Zolls kartonweise eingeladen. Die Waren werden zur Müllverbrennung gebracht. Es handelt sich allesamt um Fälschungen – "Produktpiraterie" nennt das die Finanz. Und die ist im Vorjahr leicht zurückgegangen. Mit einer Ausnahme: Bei den gefälschten Medikamenten gab es einen neuen Rekord.

67.535 Fälschungen hat der Zoll im Vorjahr aus dem Verkehr gezogen. Der Wert der Ware: 2,7 Millionen Euro.

Produktpiraterie, BMF, Zoll, Entsorgung, Verbrennu Foto: KURIER/Franz Gruber

Verrückte Preise

Der Rückgang hängt vor allem mit der Ausforschung einer Tätergruppe zusammen: Sie bot noch im Jahr zuvor Michael-Kors-Taschen und -Sonnenbrillen zu sensationellen Preisen an. "Via Facebook hat das auch viele Österreicher erreicht", sagt Gerhard Marosi. Der Preis schien unschlagbar: Bis zu 80 Prozent billiger wurden die Waren angeboten. Doch sie waren gefälscht. "Da muss ich mich als Käufer schon fragen, wie so etwas möglich ist", meint der Experte im Finanzministerium.Der Konsument macht sich durch die Bestellung übrigens nicht strafbar – fällt die Bestellung allerdings dem Zoll in die Hände, wird sie im Normalfall vernichtet. "Wer mit Kreditkarte oder via PayPal gezahlt hat, kann das Geld zurückfordern", sagt Marosi.

Produktpiraterie, BMF, Zoll, Entsorgung, Verbrennu Foto: KURIER/Franz Gruber Allein 900 Aufgriffe des heimischen Zolls betrafen im Vorjahr Medikamentenfälschungen (2015: 479) – was europaweit gesehen ein Spitzenwert ist. Fast ein Viertel aller Aufgriffe von gefälschten Medikamenten innerhalb der 28 EU-Staaten passierte in Österreich. Und da sind vor allem Potenzmittel sehr gefragt. "Das wird sich auch in diesem Jahr fortsetzen", kündigt Marosi an.

Herkunft verschleiert

Die Pulver kommen vor allem aus China und Indien. Doch die Fälscher versuchen, die Herkunft zu verschleiern. "Sie werben mit der Lieferung aus Deutschland", erklärt der Experte. Doch dort gibt es nur ein Schließfach. Die Pakete werden noch in den Herkunftsländern verpackt und mit Briefmarken versehen. In einem Container werden sie in die EU gebracht. Marosi warnt vor derartigen Bestellungen: "Diese Fälschungen werden unter Bedingungen produziert, gelagert und transportiert, die nicht annähern den geltenden Standards der Pharmaindustrie entsprechen. Von diesen Plagiaten geht eine große Bedrohung für die Gesundheit aus."

Beliebt sind bei derartig fragwürdigen Bestellungen auch Diätpillen und Haarwuchspräparate.

Die Bekämpfung der Produktpiraterie bedeute eine Sicherstellung von fairem Wettbewerb.

(kurier) Erstellt am
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