Puschautz-Meidl (IV) und AMS-Chefin Sengstbratl (re.)

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Arbeitsmarkt
05/21/2016

Wo Fachkräfte zu finden sind

Industrie für Wahlfreiheit der Unternehmer, AK sektoral für weniger Ausländer.

von Thomas Orovits

Steigende Arbeitslosigkeit trotz steigender Beschäftigung, von der zuletzt vor allem Ausländer profitierten, die bereits rund ein Fünftel der 102.000 Arbeitnehmer stellen – der burgenländische Arbeitsmarkt ist seit Jahren heiß umkämpft.

Am Freitag wurde zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite um die arbeitsmarktpolitische Deutungshoheit gerungen. Im virtuellen Ring standen AK-Präsident Alfred Schreiner und Ingrid Puschautz-Meidl, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung (IV). Während die Arbeiterkammer in Eisenstadt ihre Vollversammlung abhielt, begab sich die Industrievertreterin mit AMS-Chefin Helene Sengstbratl auf die Spuren des Fachkräftemangels. Warum klagen Unternehmen, sie könnten offene Stellen nicht besetzen, obwohl es aktuell 9322 Arbeitslose gibt?

IV und Arbeitsmarktservice haben bei 79 Industrieunternehmen nachgefragt, 49 davon haben 36 offene Stellen gemeldet. Das AMS hatte 156 potenziell geeignete Arbeitslose anzubieten. Aber: "Das Matching mit den Arbeitslosen ist nahezu unmöglich", bilanzierte Puschautz. Soll heißen, offene Stellen und Arbeitssuchende passen selten zueinander.

Berufsorientierung

Fehlen würden vor allem Techniker sowie Spezialisten für Produktion, IT und Vertrieb, sieht Puschautz die Berufsorientierung in den Schulen ausbaufähig. "Es interessieren sich zu wenig junge Leute für Berufe, die wir eigentlich brauchen." Bei Zusatzqualifikationen wie Fremdsprachen und Reisebereitschaft täten sich manche Jobsuchende schwer, ergänzte Sengstbratl. Wenn sich für Stellen keine inländischen Mitarbeiter fänden, werde am Ende auch im Ausland gesucht, pochte Puschautz auf die "Wahlfreiheit" der Unternehmer.

"Die Wirtschaft gaukelt uns vor, sie müsse Ausländer einstellen, weil sie sonst niemanden finde. Das stimmt nicht", ortet AK-Präsident Schreiner einen Verdrängungswettbewerb. Wie die rot-blaue Landesregierung ist er für befristete und sektorale Beschränkungen der Arbeitnehmerfreizügigkeit, etwa am Bau. Eine Einschränkung von EU-Grundfreiheiten kommt für die IV nicht in Frage. Auch heimische Firmen seien darauf angewiesen, bei Auslandsaufträgen ihre Mitarbeiter "entsenden" zu können. Die IV will zudem Änderungen bei der Rot-Weiß-Rot-Card, die auch für Fachkräfte in Mangelberufen gilt. So sollte die derzeitige Einkommenshöhe abgesenkt werden, so Puschautz.

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