Winzer Werner Weiss aus Illmitz setzt auf Erntemaschinen und nicht mehr auf Erntehelfer

© KURIER/Susanne Eiweck

Weinlese
08/17/2014

"Wir brauchen keinen Regen mehr"

Die Trauben für Most und Sturm werden im Seewinkel schon gelesen.

Samstag gegen Mittag herrscht Hochbetrieb in der Kellerei Burgenland in Illmitz. Traktor um Traktor fährt ein, die Anhänger sind voll mit süßer Fracht – mit Bouvier-Trauben, die zu Most und Sturm verarbeitet werden. "Die Menge ist zwar um rund 20 Prozent geringer als im Vorjahr, aber die Qualität passt. 14 Grad (Klosterneuburger Zuckergrade, Anm.) sind ideal für Most und Sturm", erklärt Sensor Franz Zehentner, Vermittler zwischen Winzern und Kellerei.

Die Lese der frühen Sorten hat im Seewinkel bereits vergangene Woche begonnen, aber wetterbedingt musste eine Pause eingelegt werden. Dabei sind die Winzer recht zufrieden mit der Witterung – bisher. "Es hat genug Niederschlag gegeben und auch ausreichend Sonnenstunden. Aber jetzt brauchen wir keinen Regen mehr", meint Zehentner.

Edel- oder Sauerfäule

Das sieht Josef Finster, Weinbauberater der Burgenländischen Landwirtschaftskammer, genauso: "Ideal wären jetzt Sonne und Wärme, 25 bis 28 Grad, also auch nicht zu heiß." Eine hohe Luftfeuchtigkeit sei zwar Voraussetzung für die Edelfäule Botrytis, aber wenn’s zu feucht ist, dann kommt die Sauerfäule, und die ist nicht edel, sondern schlecht. "Hoffen wir, dass es in die positive Richtung geht", gibt sich Finster zuversichtlich. Wie die Wein-Haupternte, die Anfang September starten wird, ausfällt, lässt sich nicht prognostizieren: "Dafür ist es noch zu früh", meint der Experte.

Die Ernte der Frühsorten im Seewinkel – Illmitz, Apetlon, Pamhagen und Podersdorf sind mit zirka 200 Hektar die Hauptanbaugebiete – wird noch bis in den Herbst hineingehen. In der Kellerei in Illmitz werden die Trauben sofort gepresst und in große Gebinde gefüllt. Geliefert werden diese an Abnehmer in ganz Österreich für Supermärkte, Gasthäuser und Heurigenschenken.

Von romantischen Weinlese-Vorstellungen mit Buckelkorb, Scheibtruhe, Weingartenscheren und einem Haufen Leuten muss man sich allerdings verabschieden. "70 Prozent wird mit Erntemaschinen erledigt, nur mehr wenige setzen Erntehelfer ein", sagt Franz Zehentner. Auch der Illmitzer Winzer Werner Weiss setzt auf Technik statt Handarbeit: "Was die Anmeldung der Erntehelfer betrifft, ist es immer komplizierter geworden. Mit den neuen Erntemaschinen klappt das gut."

Für die Bouvier-Trauben bekommt er derzeit 70 Cent pro Kilo. "Es könnte mehr sein", meint Weiss. Zehentner kontert lachend: "Das ist ein ganz guter Preis, aber Bauern sind ja nie zufrieden."

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