Chronik | Burgenland
10.10.2015

Von Hass-Listen und Backkünsten

Mit rund 300 Videos und bis zu 1,2 Millionen Klicks ist Michael Buchinger der YouTube-Star in Österreich.

"Hello friends, Michael Buchinger hier." Mit diesem Satz und einem Glas Wein in der Hand, begrüßt Michael Buchinger jeden Dienstag und Freitag seine treue Fangemeinde. "Das Weinglas ist mein Zepter", verrät er.

Der Müllendorfer ist YouTuber – stellt Videos von und über sich ins Internet und erntet dafür Klicks. Jede Menge. Sein bisher erfolgreichstes hatte rund 1,2 Millionen. Genug, um auch außerhalb seiner Gemeinde erkannt zu werden. "Ja, ich werde öfter angesprochen. An der Uni erkennen mich viele und freuen sich, wenn ich mit ihnen im gleichen Kurs sitze."

Dass er einmal zum YouTube-Star wird, hätte er sich nie gedacht, denn "ich war immer sehr nervös, wenn die Kamera an war. Habe auch nie direkt hineingeschaut." Generell sei er früher sehr schüchtern gewesen, wenn er vor Menschen sprechen musste. "Mittlerweile liebe ich es und bin auch gut im Improvisieren, wenn ich mal einen Hänger habe", sagt der 22-Jährige.

Seine ersten Videos hat er 2006 gedreht. "Weil ich in der Schule immer lustig war, hatte eine Schulkollegin die Idee, dass ich Videos auf YouTube machen soll." Es folgten die ersten Sketches im Online-Format. "Dafür bekam ich aber nur etwa 50 Klicks."

Der Durchbruch in der YouTuber-Szene gelang ihm schließlich mit einem Video zum Thema "Was wäre, wenn Facebook real wäre". Insgesamt 1,2 Millionen Internet-User sahen sich das Video an und machten Buchinger damit bis weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Kritisch unterhaltsam

Bei der Themenwahl steht für den Müllendorfer die Unterhaltung im Vordergrund. "Ich frage oft meine Community, was sie sehen wollen. Damit tue ich mir leichter, Themen zu finden."

Fixpunkt ist die monatliche "Hass-Liste", bei der Buchinger im Gegensatz zu vielen anderen YouTubern nicht seine Lieblingssachen des vergangenen Monats vorstellt, sondern die Dinge, die ihn am meisten genervt haben. Im September standen "Flüchtlingsgegner" ganz oben bei seinem Ranking. "Obwohl ich mich politisch nicht äußern möchte, wollte ich doch meine große Reichweite nützen, um vor allem Jugendlichen eine andere Sicht des Themas zu zeigen. Wobei ich klarstellen will, dass ich meine Meinung niemandem aufzwingen will."

Mit Gesellschaftskritik will Buchinger weiterhin sparsam umgehen, die Unterhaltung stehe im Vordergrund. Mit seinen Backvideos, in denen ihm ständig etwas misslingt, schafft er das auf sehr amüsante Weise. "Ich mache das, was ich selbst lustig finde. Da ich nicht backen kann, läuft in der Küche meist ziemlich alles schief. Und genau das wollen die Leute sehen." Wie lange er noch "hello friends" sagen wird, lässt er offen. "Solange es mir Spaß macht."