Chronik | Burgenland
01.12.2017

"Villa Mia": Rücktritt der Obfrau und Abzug burgenländischer Kinder

Nach Vorwürfen der Volksanwaltschaft gegen Wohnheim in Gols gab es erste Konsequenzen.

Am Tag nach Bekanntwerden angeblicher Missstände in einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft für Kinder und Jugendliche in Gols ist die Obfrau der "Villa Mia" zurückgetreten. "Ich bitte Sie zu respektieren, dass wir das Haus und die Kinder schützen wollen", teilte die neue Vereins-Obfrau Silvia Beck mit. Der Vorfall sei schon alt und man habe alle Unterlagen und Informationen vor eineinhalb Jahren an das Jugendamt weitergeleitet. Auch die Staatsanwaltschaft unterstütze man bei der Aufklärung.

Wie berichtet, hatte Volksanwalt Günther Kräuter am Mittwoch von weinenden Kindern erzählt, die bei einer unangekündigten Nachschau durch Experten am 22. November gebeten hätten, das Heim verlassen zu dürfen, weil sie unter Übergriffen durch ältere Kinder litten. Ein 15-Jähriger – der heute verlegt wird – habe vermutlich seit Jahren Mädchen und Burschen sexuell missbraucht, prangerte Kräuter "jahrelanges Behördenversagen" an, denn erste Vorwürfe seien schon vor eineinhalb Jahren aufgetaucht. Die Kriminalpolizei ermittle seit einigen Monaten wegen Verdachts sexueller Übergriffe unter den Jugendlichen, so Staatsanwaltschaftssprecher Roland Koch. Am Donnerstag sollen sich aber auch Kinder aus dem Heim beim Land gemeldet haben, die Übergriffe in Abrede stellen.

Konsequenzen

Auch abseits des Wechsels an der Spitze muss sich das Heim auf neue Zeiten einstellen: Der zuständige Soziallandesrat Norbert Darabos (SPÖ) kündigte am Donnerstag im KURIER-Gespräch an, die zwölf burgenländischen Kinder und Jugendlichen, die in der "Villa" untergebracht sind, würden in andere Häuser im Land verlegt. Das privat geführte Heim in Gols, das im Wesentlichen vom Land finanziert wird, beherbergt 14 Kinder und Jugendliche im Alter von 11 Monaten bis 19 Jahren – zwei sind von steirischen Behörden zugewiesen. Eine Schließung des Heimes stehe derzeit nicht im Raum, so Darabos. Zudem soll es künftig im Land auch eigene Krisenplätze geben, um Kinder bei Gefahr in Verzug separieren zu können. Er habe erst im September von den Vorwürfen erfahren, auch von dem aus 2016 stammenden. Grundsätzlich hätten die Mitarbeiter in der Fachabteilung aber richtig gehandelt und alle Schritte gesetzt. Auch bei sich selbst sieht der Landesrat keinen Grund für einen Rücktritt. Aus der ÖVP hieß es, man schließe kein Mittel aus, bis zum Misstrauensantrag.