Chronik | Burgenland
02.12.2016

Unternehmer kehrt Wien den Rücken und nimmt Motiondesignstudio mit aufs Land

Animationskünstler verlegt nach Studium und Jobs in Wien seine Firma ins Südburgenland.

"Vor zehn Jahren hat es hier im Südburgenland keine Perspektiven für mein Schaffen gegeben", erklärt Daniel Horvatits. Jetzt kehrt er zurück aufs Land und nimmt seine Firma, wo er als Motiondesigner tätig ist, einfach mit.

Nach der Schule wollte Horvatits etwas mit Film machen und ging nach der Handelsakademie in Stegersbach nach Wien. "In meiner Zivildienstzeit habe ich tote Tiere auf der Straße fotografiert und daraus einen animierten Kurzfilm für die Aufnahmeprüfung an der Graphischen gemacht", sagt Horvatits. Die Bewerbung war ein Erfolg und der Film wurde im Technischen Museum beim Projekt "Verkehr und Nachhaltigkeit" präsentiert.

Ausbildung

Während der Ausbildung habe er sich intensiv mit dem Medium Film auseinandergesetzt, "meine Ideen wurden begrenzt. Um neue visuelle Welten und neue Begebenheiten zu schaffen, musste ich mich der Kunst der Animation bedienen, so nahm dann meine Karriere als Motiondesigner seinen Lauf".

Das Schöne an der Animationskunst sei die vielfältige Arbeitsweise. "Man kann Video, Fotografie, Zeichnungen, Illustrationen, Sounddesign und Musik miteinander kombinieren und dadurch ergeben sich unendlich viele Möglichkeiten einer kreativen Umsetzung", erklärt Horvatits.

Selbstständigkeit

Nach Stationen bei Agenturen und bei Projektarbeiten hat er sich für den Schritt in die Selbstständigkeit entschlossen. "Es war die einzige Option meine Träume und Ideen umzusetzen", sagt Horvatits. Zu seinen Kunden zählen Wiener Wohnen, die App Delinski oder auch die Voestalpine.

Experiment

Stinatz habe zwar immer noch nicht die schnelle Internetverbindung, die nötig wäre, um große Datenmengen zu transportieren, trotzdem wagt er den Schritt sein Animationsstudio aufs Land zu verlegen. "Ich sehe es als Experiment. Mir fehlte die Nähe zur Natur, was für mich und meinen kreativen Schaffungsprozess unabdingbar ist", sagt der Unternehmer. Ein Schritt, den immer mehr Leute aus der Kreativ- und Dienstleistungsbranche machen, wie auch die Wirtschaftskammer feststellt. (Siehe Zusatzbericht Anm.)

Seine Kunden will er auch weiter vor allem über Mundpropaganda gewinnen. Das persönliche Erstgespräch wird weiterhin in Wien oder direkt beim Kunden stattfinden und eher nicht in Stinatz. "Ganz verzichten kann man auf dieses Standbein in der Stadt nicht", meint der Unternehmer. www.motionworks.at

Firmengründer zieht es gen Süden

26.000 Einwohner hat der Bezirk Güssing. Es gibt keine höherrangigen Straßen, keine Eisenbahnverbindung und die Öffis halten sich in Grenzen. Nichtsdestotrotz verzeichnet die Wirtschaftskammer im Burgenlandschnitt die meisten Gründungen pro 1000 Einwohner rund um die Burg Güssing. "Wir bemerken dort einen Zuzug von Gründern, die ganz bewusst den Standort wählen", erklärt der Vize-Direktor der Wirtschaftskammer Burgenland, Harald Schermann, im KURIER-Gespräch. Vor allem der Dienstleistungs- und Kreativbereich wachse stetig im Südburgenland. "Von einem Boom können wir nicht sprechen, aber es sind in Güssing mehr als in anderen Bezirken", meint Schermann. Unternehmensberater, wirtschaftsnahe Dienstleister oder der IT-Bereich seien Beispiele für die Gründer.

Oft zieht der Chef oder der Kreative dort hin, wo er will, "der Mitarbeiterstab bleibt in Wien, man nimmt nicht die gesamte Mannschaft mit", weiß Schermann. Diese Firmen zielen auch nicht auf die Kunden in der Region ab, sie betreuen weiter ihren Kundenstamm aus der Stadt. Viel passiere online oder per Telefon. "Das Breitbandinternet ist der Punkt, der hier am wichtigsten ist", sagt der Wirtschaftskammerdirektor.

Ein weiterer Grund für die neuen Unternehmen im Bezirk sind die Dienstleister. "Es fehlen größere Betriebe, deshalb machen sich viele Frauen selbstständig", sagt Schermann. Sie würden als Ein-Personen-Unternehmer, wie Kosmetiker, Masseur oder Friseur ihren Kundenkreis in der Region betreuen.