Absicherung für 8941 „Manager des Jahres“

Ein Mann bekommt in einem Friseursalon eine Haarwäsche.
Kleinunternehmer halten die Wirtschaft am Laufen, sagen die Sozialdemokraten.

Die Frage, ob sie denn die Chefin des Friseurgeschäfts sei, kostet Sandra Horvath ein Lächeln: „Ich bin Chefin, Frisörin und Putzfrau – alles in einer Person.“ 2008 hat die zweifache Mutter den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und das Einzelunternehmen in Zagersdorf gegründet. „Das Geschäft läuft gut und ich bin flexibel in der Zeiteinteilung.“

Sandra Horvath ist eine von 8941 Ein-Personen-Unternehmen (EPU) im Burgenland. Die EPUs sowie die Klein- und Mittelbetriebe (KMU) seien es, die die Wirtschaft am Laufen hielten, sagt Landeshauptmann Hans Niessl. Jetzt gehe es darum, weiter zu wachsen. Hier sei das Burgenland auf dem richtigen Weg. Im Vorjahr gab es 1139 Neugründungen und die Beschäftigung sei auf 2,3 Prozent gestiegen.

Von 2014 bis 2020 soll der Schwerpunkt auf die Förderung von Nahversorgern gelegt werden. „Nahversorgung ist aber ein komplexer Begriff und umfasst nicht nur Lebensmittel, sondern auch andere wohnortnahe Dienstleister“, so der Landeschef.

Nachteil für Kleine

Christoph Matznetter, SPÖ-Wirtschaftssprecher, streut dem Burgenland Rosen. „Hier ist etwas gelungen, was in der EU nicht oft gelingt“: Als Ziel-1-Gebiet habe das Burgenland in den vergangenen zwei Förderperioden wirtschaftlich viel erreicht.

Dennoch müsse im Bereich der Steuergerechtigkeit noch einiges getan werden. Es könne nicht sein, ärgert sich Matznetter, dass kleine, heimische Betriebe „brav Steuern zahlen, während Konzerne wie Apple – wenn überhaupt – nur zwei Prozent Steuern zahlen.“ Das führe zu einer „Wettbewerbsverzerrung zum Nachteil der kleine Betriebe“.

Oswald Hackl, Chef des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes, der die Einzelunternehmer als „Manager des Jahres“ tituliert, macht sich für eine soziale Absicherung stark: „Das Krankengeld ab dem 43. Tag ist Humbug. Nach dem 43. Tag wird ein Ein-Personen-Unternehmen erledigt sein.“

Auch ÖVP-Wirtschaftssprecherin Andrea Gottweis erklärt, dass in konjunkturell schwierigen Zeiten „alles getan werden muss, um KMUs zu stärken und Arbeitsplätze zu sichern“. Die vor Kurzem im Ministerrat beschlossene „GmbH Neu“ sei ein wichtiger Schritt, um Neugründungen zu fördern. Starthürden für Unternehmer wären leichter zu nehmen, so Gottweis, weil sich u.a. das Mindeststammkapital von 35.000 auf 10.000 Euro verringere.

Das sieht man beim Kreditschutzverband 1870 skeptisch. Die Zahl der Insolvenzen bei Kleinunternehmen im Burgenland sei 2012 gestiegen, so Alexander Klikovits vom KSV. Verringere man das Mindestkapital, bedeute das noch mehr Insolvenzen.

Kommentare