Chronik | Burgenland
23.01.2018

Steinberger-Kern sieht keinen Interessenskonflikt

Aufsichtsrat. Ehefrau des Ex-Kanzler geht selbst.

Ihr Eintritt in den Aufsichtsrat der Energie Burgenland am 1. Jänner 2015 war geräuschlos, der Abschied von Eveline Steinberger-Kern am vergangenen Wochenende sorgt für Rumoren. Steinberger-Kern, Ehefrau von Ex-SPÖ-Kanzler Christian Kern, ist mit der Zurücklegung ihres Kontrollmandates vielleicht einer entsprechenden mehr oder weniger höflichen Bitte seitens der Eigentümer (51 Prozent hält die Landesholding, 49 Prozent die von der EVN dominierte Burgenland Holding) zuvorgekommen.

Die ausgewiesene Energie-Expertin Kern, die nach Jahren im Verbund und bei Siemens als Unternehmerin im Energiesektor tätig ist, hat sich mit ihrem Engagement beim Energieanbieter-Wechselservice "Energy Hero" dem Vorwurf der Unvereinbarkeit mit ihrem Job als Aufsichtsrätin ausgesetzt. "Energy Hero" bietet Privaten Hilfe beim Wechsel des Energielieferanten – das könnte auch zu Lasten der Energie Burgenland (EB) gehen. In Punkt 44 des Österreichischer Corporate Governance Kodex steht, dass Aufsichtsratsmitglieder "bei ihren Entscheidungen keine eigenen Interessen" (...) verfolgen dürfen, "die im Widerspruch zu den Interessen des Unternehmens stehen".

Um diese Frage zu klären, wollte EB-Aufsichtsrats-Vorsitzender Hans Peter Rucker mit Steinberger-Kern reden – dies sei jedoch "nach dem Zurücklegen ihres Mandats nicht mehr notwendig", stellte Rucker am Montag fest. Nicht ohne "Frau Dr. Steinberger-Kern für ihre wertvollen Beiträge in den vergangenen drei Jahren" zu danken.

Tatsächlich wird der promovierten Betriebswirtin von den Kollegen im Aufsichtsrat gute Arbeit attestiert. Steinberger-Kern habe sich selten zu Wort gemeldet, aber ihre Beiträge "hatten stets Hand und Fuß", sie sei "blitzgescheit".

Aber was sagt Steinberger-Kern selbst?

Einen Interessenskonflikt sehe sie nicht, lässt sie den KURIER in einer schriftlichen Stellungnahme wissen. Klimawandel und digitale Transformation brächten weitreichende Veränderungen. Ihr gehe es mit Blue Minds (ein von Steinberger-Kern gegründetes und geleitetes Unternehmen, in dessen Umfeld auch Energy Hero angesiedelt ist, Anm.) darum, "alte Systeme und Muster aufzubrechen und neue nachhaltige Geschäftsmodelle" zu entwickeln. Einige in der Branche würden diesen Prozess schneller bewältigen, andere langsamer. Und von wechselwilligen Kunden könnte ja auch die EB profitieren. Steinberger-Kern: "In der EB hat uns das unterschiedliche Tempo offensichtlich auseinander gedriftet. Und das ist für mich völlig in Ordnung. Ich wollte und will von jeher nur teilnehmen, wo man meine Fachexpertise und Erfahrung auch wertschätzt".

Über die Nachfolge wird bei der ordentlichen EB-Hauptversammlung am 19. März entschieden. Dass – wie die ÖVP unkt – Ex-Landesrat Helmut Bieler ( SPÖ) nachrückt, ist unwahrscheinlich. Aufsichtsratschef Rucker wünscht sich "eine Frau mit hoher Fachexpertise".