Chronik | Burgenland
16.01.2012

Schwere Missbrauchsvorwürfe gegen Stiefvater

In Eisenstadt mussten sich zwei Burgenländer wegen sexuellen Missbrauchs Unmündiger vor Schöffensenat verantworten.

Als Monika (Name geändert) fünf Jahre alt war, soll er sie das erste Mal sexuell belästigt haben. "Wenn sie 18 Jahre alt ist, werde ich sie heiraten", soll der heute 31-Jährige damals zur Mutter des Kindes gesagt haben. Wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs an Monika sowie zwei weiteren Mädchen (acht und zehn Jahre alt) war der Mann schon einmal ins Visier der Justiz geraten.

Einige Jahre später heiratete der 31-Jährige Monikas Mutter, zwei Kinder kamen zur Welt. Monika wurde für einige Jahre im Heim untergebracht. Als Monika an den Wochenenden nach Hause ins Südburgenland kam, soll es abermals passiert sein. "Der Stiefvater hat seine damals zehn- bzw. elfjährige Stieftochter von Herbst 2005 bis Ostern 2006 mehrmals sexuell missbraucht", sagt der Staatsanwalt.

Nächtliche Übergriffe

Die Übergriffe sollen in der Nacht passiert sein, als die Familie zusammen auf einer Couch nächtigte. Danach soll der Beschuldigte gedroht haben: „Wenn du etwa sagst, werd’ ich dir und deiner Mutter etwas antun.“

Als die Stieftochter im Heim war, habe er ihr ständig anzügliche SMS geschickt. Eine Heimmitarbeiterin wurde aufmerksam und meldete den Fall. Der heute 31-Jährige musste sich vor Gericht verantworten. Der Fall wurde eingestellt. Monika traute sich nicht, den Stiefvater zu belasten. Die Vorfälle haben eine noch bestehende Traumafolgestörung bei ihr ausgelöst. „Jetzt hat sie den Mut gefunden, die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen“, sagt der Anwalt des Mädchens.

Der Angeklagte stritt vor dem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Wolfgang Rauter sämtliche Vorwürfe ab. „Ich habe sie als leibliche Tochter betrachtet, sexuellen Kontakt mit ihr könnte ich mir gar nicht vorstellen.“ Seine Frau habe ihn schon mehrmals wegen verschiedener Dinge angezeigt. Vor allem im Obsorgestreit um die gemeinsamen Kinder hätten sie und ihre Familie gegen ihn intrigiert. „Warum haben Sie ihn beschützt?“, fragte der Richter die Mutter. „Ich war verliebt.“ Der Prozess wurde vertagt.

Zu einem Schuldspruch kam es hingegen im zweiten Missbrauchsfall am Landesgericht Eisenstadt. Einem 42-Jährigem wurde vorgeworfen, die elfjährige Schulfreundin seines Sohnes Ende 2010 sexuell missbraucht zu haben. Der Vorfall hatte sich ereignet, als das Mädchen zu Besuch bei der Familie gewesen war. Der Beschuldigte und das Mädchen pflegten Kontakt per Facebook, die Elfjährige habe für den 41-Jährigen geschwärmt. Der Angeklagte bekannte sich schuldig. Er wurde zu einer bedingten Haftstrafe von einem Jahr sowie zu einer Geldstrafe in Höhe von 5400 Euro verurteilt.