Schwarzgeld wird zum Eigentor

© Bild: Georg Gesellmann

Gebietskrankenkasse und Finanzamt sind auf der Suche nach säumigen Zahlern. Den Fußballvereinen drohen hohe Strafen.

In der burgenländischen Fußballszene spielt sich‘s ziemlich ab. Zwar nicht auf dem grünen Rasen, aber dafür an runden Tischen. Denn die Burgenländische Gebietskrankenkasse (BGKK) und das Finanzamt (FA) gehen zum Angriff über. Den Vereinen drohen nämlich strenge Kontrollen verbunden mit hohen Strafen, weil sie – so die Argumentation der BGKK – in den vergangenen Jahren säumig gewesen waren, Sozialleistungen an die Kasse abzuliefern. Es gehe hier vor allem um ausländische Spieler, die zu gering angemeldet wurden. "So um die 500 Euro erhält im Schnitt ein Spieler", sagt ein Funktionär, der nicht genannt werden möchte.

Die Klubs sind aufgebracht. Vor allem den Obmännern kann es an den Kragen gehen, denn sie sind für die Geschäftsgebarung verantwortlich. "Um einen Verein zu führen, musst du Jurist sein oder mindestens die Matura haben", erklärt ein Funktionär, dessen Verein 20.000 € an die BGKK entrichten muss.

Warum? Es kenne sich nicht einmal der Burgenländische Fußballverband aus. Dass Schwarzgeld fließe, stehe außer Zweifel, so der Kassier eines nordburgenländischen Vereins, "aber anders ist es nicht zu schaffen". Er rechnet vor: Bei einem Zuschauerschnitt von 200 bis 300 Personen kommt der Verein auf rund 2000 € pro Match. Bei schönem Wetter kommen noch zusätzlich 1000 € durch den Verkauf von Speis’ und Trank dazu. "Wie soll man so überleben und vielleicht noch gute Ergebnisse liefern", fragt er und sieht ein böses Ende: "Die bringen uns noch um!"

Problem

Die, das sind entweder das Finanzamt oder die Gebietskrankenkasse. Vom Umbringen könne keine Rede sein, "wir halten uns an die Unterlagen", antwortet Christian Moder, Direktor der BGKK: "Aber welche Summen da laufen, ist ein Wahnsinn" und er fügt dann hinzu: "In Wahrheit ist das das Problem der Vereine."

Bei ihm zuhause (er lebt in Nickelsdorf) würde kein einziger "Einheimischer" spielen und die Ausländer (hauptsächlich Tschechen) würden 500 bis 800, ja sogar bis 1000 Euro pro Monat bekommen. Er frage sich, woher die Vereine das Geld hätten, Unterlagen würde es "in der Regel" keine geben.

Dass ein Prüfer käme, die Vereine malträtiere und Fantasie-Gehälter bei den Kickern annehme, stimme nicht: "Wir prüfen nach Fakten!" Dass bei den Fußballvereinen gelogen werde, "dass die Balken krachen" wisse man auch. Und dass sie am liebsten ans FA oder BGKK gar nichts bezahlen wollen, sei ebenfalls bekannt.

"Wir haben keine Außenstände, weder beim Finanzamt noch bei der BGKK. Unsere Legionäre und der Trainer verdienen mehr als die Freibetragsgrenze und sind daher korrekt angemeldet. Das werden wir auch in Zukunft so halten", erklärt der sportliche Leiter eines südburgenländischen Klubs. 10.000 Euro würden jährlich allein ans FA überwiesen. "Wenn andere Vereine das nicht machen, finde ich das wettbewerbsverzerrend, weil sie dadurch mehr Geld für Spieler haben", betont der Funktionär.Der ehemalige Teamtormann Franz Wohlfahrt trainiert seit Kurzem die Elf von Wulkaprodersdorf, die in der 1. Klasse Nord spielt. Bei der BGKK ist er noch nicht gemeldet. "Aber um Gottes Lohn trainiert er sicher nicht", ist Moder überzeugt.

Ein Kicker ist auch nur ein Dienstnehmer am Rasen

Ein Fußballer ist ein Dienstnehmer und daher verpflichtet sein Einkommen zu versteuern und Sozialabgaben zu entrichten. Für die Krankenkasse werden 18 Prozent vom Bruttolohn abgerechnet; das Finanzamt wiederum verrechnet 21,7 Prozent, die der Arbeitgeber, eben der Verein, leisten muss.

Zusätzlich wird noch darauf geachtet, dass die Einkommens- und Kommunalsteuer korrekt abgeliefert werden. Dem Gesetz nach ist der Dienstgeber, also der Verein, verpflichtet, vor Arbeitsantritt seinen Dienstnehmer, also Spieler, bei der Gebietskrankenkasse anzumelden. Die Sozialversicherung ist nötig, auch wenn der Kicker einen privaten Gönner am Rücken trägt. Ob sich die kleinen Vereine im Burgenland um ihre Existenz Sorgen machen müssen, ist anscheinend eine Gratwanderung: "Wir wollen Ordnung hineinbringen", sagt BGKK-Direktor Christian Moder. Denn auch bei den Pflegehilfen und deren Versteuerung gab es Ungereimtheiten bezüglich Anmeldung und Versicherungen.

Ähnliches herrsche bei den Fußballern, so Moder: Doch bei den Sportlern bestehe "ein Wildwuchs der Sonderklasse" und daher sollten sie auch ihren Beitrag zum Sozialsystem leisten. "Außerdem versitzen sie montags die Unfallambulanzen" – da ein Kreuzbandriss, dort ein Muskelfasereinriss oder hier eine Leistenzerrung. "Das kostet alles viel Geld", daher Moders Appell: "Es gehört alles korrekt gemacht."

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Erstellt am 08.03.2012