Community-Polizisten in Eisenstadt im Einsatz

© /Theresa Gsellmann

Burgenland
10/22/2016

Schrittweise zu (noch) mehr Sicherheit

Eine Mission, zwei Initiativen: Unterwegs mit Sicherheitsbürgern und -partnern. Eine Zwischenbilanz.

von Theresa Gsellmann

Daniela Kundegraber patrouilliert Freitagnachmittag durch Rechnitz. Bauhof, Gemeindeamt, Kindergarten und Schulen sind die Stationen ihres Kontrollgangs, den die 42-jähriger Oberwarterin zu Fuß erledigt. Eigentlich steht der zweifachen Mutter ein auffällig gebrandetes Elektro-Auto zur Verfügung, "aber weil alles in Reichweite ist, gehe ich lieber zu Fuß", erzählt die Südburgenländerin. Kundegraber ist eine von 24 Sicherheitspartnern, die von der rot-blauen Landesregierung angeheuert wurden und die seit 10. Oktober in neun burgenländischen Gemeinden im Einsatz sind. Angestellt ist Kundegraber über die Eisenstädter Sicherheitsfirma Wagner.

Schauplatzwechsel vom Südburgenland in die Landeshauptstadt. Dort beobachtet Hans Hauz, was sich in der Stadt so abspielt. Hauz ist kein Sicherheitspartner, sondern Sicherheitsbürger. Die Mission ist die gleiche, nur die Initiative eine andere. Der Eisenstädter Pensionist setzt sich im Rahmen des Projekts "Gemeinsam sicher" von ÖVP-Innenminister Wolfgang Sobotka für die Sicherheit in seiner Heimatgemeinde ein. Ehrenamtlich, ohne Bezahlung. "Für mich hat sich seit dem Einsatz als Sicherheitsbürger nicht viel geändert. Ich bin vorher schon wachsam durch die Stadt gegangen und habe etwaige Missstände gemeldet", erzählt der 66-Jährige. Hauz ist Bindeglied zwischen Bevölkerung, Stadtgemeinde und Polizei. So berichten er und andere Freiwillige etwa über organisierte Bettelei in der Fußgängerzone, Verschmutzungen am Domplatz durch jugendliche Nachtschwärmer oder zu hoch gewachsene Sträucher an Kreuzungen, die die Verkehrssicherheit gefährden.

Delikte geklärt

"Auch größere Delikte wurden in Kooperation mit den Sicherheitsbürgern schon aufgeklärt", erzählt Stadtpolizeikommandant Oberst Fritz Tinhof. Nach Schüssen mit einer Schreckschusspistole im Schlosspark konnte der Täter mit Hilfe eines aufmerksamen Sicherheitsbürgers rasch ausgeforscht werden, so Tinhof. Er und vier sogenannte Community Polizisten sind Ansprechpartner für Hauz und seine Kollegen. Eisenstadt ist eine von vier österreichischen Pilot-Gemeinden. Wie der KURIER berichtete, soll das Projekt ab Jänner 2017 schrittweise österreichweit installiert. Innenminister Wolfgang Sobotka war am Freitag in Eisenstadt zu Gast um einerseits ein Polizeiauto mit einem "Gemeinsam sicher"-Aufkleber medienwirksam zu branden und um anschließend alle Postenkommandanten und Bezirkshauptleute von Nord bis Süd über "Gemeinsam sicher" zu informieren.

Einkaufsservice

Aufklärung darüber, was die Sicherheitspartner alles machen dürfen und können, werden die Bürger der betroffenen Gemeinden in den nächsten Tagen per Postwurfsendung erhalten. "Unsere Mitarbeiter werden nicht nur in Sicherheitsbelangen eingesetzt, sie unterstützen ältere Menschen auch im Alltag", erklärt Firmenchef Henk Wagner. Für 2,40 Euro können seine Angestellten zum Einkaufen beim Nahversorger geschickt werden, eine Apothekenfahrt kostet 4,20 Euro. Fahren Privatpersonen auf Urlaub, wird von den Sicherheitspartnern gegen einen Beitrag von 42 Euro die "Urlaubsaufsicht" übernommen. Durch die Zusatztätigkeiten sollen die Kosten für das 500.000 Euro teure Projekt reduziert werden. Die Initiative läuft ein Jahr.

Bei der Exekutive soll sich die Freude über die neuen "Helfer" in Grenzen halten. "Viele denken, dass es nach einem Jahr vorbei sein wird", meint ein Insider.

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