Chronik | Burgenland
09.10.2016

Schöne neue Welt am Neusiedler See

Das Welterbe-Gebiet ist gefragt: Die Grünen fordern jetzt eine Konferenz sowie ein Gesamtkonzept.

Ein stylishes 4-Stern-plus Boutique-Hotel in Neusiedl am See, exklusive Seevillen in Jois, zwei schicke, neue Seerestaurants in Weiden und Breitenbrunn und ein Villenpark in Oggau. Kleine, idyllische Schilfhütten waren gestern, heute sind es moderne Bauten mit großen Glasfronten, die wie die Schwammerl aus den Böden rund um den Neusiedler See wachsen.

In fünf Gemeinden werden fünf prestigeträchtige Millionenprojekte realisiert. Ein Gesamtkonzept für die pannonische Region gibt es nicht, beklagen Kritiker. Jede Ortschaft kocht ihr eigenes Süppchen, die Gemeindekassen klingeln. Die Erwartungen an das zahlkräftige Publikum sind groß. Weiden etwa möchte mit seinem Seerestaurant "Das Fritz" inklusive großem Veranstaltungsbereich und Greißlerei zur Ganzjahresdestination mutieren. Selbiges Ziel hat die Esterházy Privatstiftung in Breitenbrunn. Neben einem Lokal sollen ein Marina Spa und mietbare Lodges mitten am See das Naturstrandbad für Urlauber auch außerhalb des Sommers attraktiv machen.

Der Neusiedler See ist auf dem besten Weg dem Wörthersee den Rang abzulaufen. Zur Freude der Einen und zum Leid der Anderen. "Von der Gastro her sind wir schon besser als der Wörthersee, bald werden wir ihn überholen", sagt etwa Gerhard Rodler von der Projektentwicklungsfirma, die hinter der Inselwelt Jois steht. 70 Häuser wurden in den letzten Jahrzehnten am Ufer des Sees gebaut, bald werden weitere zwölf "hochexklusive Seevillen" fertiggestellt sein. Zu kaufen gibt es nur mehr zwei. Knapp eine Million Euro kostet das "Leben in einer schönen Welt in der Nähe von Wien", steht auf der Homepage geschrieben.

80 Prozent der Villenbesitzer kommen aus der Bundeshauptstadt, erzählt Rodler. Der Rest aus dem südlichen Österreich. Einheimische findet man in der Inselwelt kaum. "Das Preisniveau ist zu hoch, außerdem haben die meisten den See erst kürzlich für sich entdeckt", weiß der Unternehmer aus langjähriger Erfahrung.

"Stückwerk"

Dass der Neusiedler See nicht zum Wörthersee des Burgenlandes wird, dafür wollen die Grünen sorgen. Grünen-Chefin Regina Petrik spricht sich für eine "Neusiedler See Konferenz" aus, "wo wir gemeinsam einen Plan machen – etwa wie die Region im Jahr 2025/2030" aussehen soll, erklärt die Politikerin. Sie verstehe zwar, dass sich die Gemeinden über die Einnahmen freuen, das "Stückwerk", durch das öffentliche Seezugänge und konsumfreie Zonen immer weniger werden, müsse allerdings beendet werden. Zusätzlich zum Landesentwicklungsplan will Petrik einen Entwicklungsplan für die See-Region.

Sehr hart ins Gericht mit den Entwicklungen im Unesco-Welterbe-Gebiet geht der Biologe und Vorreiter der österreichischen Ökologiebewegung, Prof. Bernd Lötsch. "Die Eigenartigkeit des Pannonischen, wegen der Gäste ins Burgenland kommen, wird immer weniger. Irgendwann werden diese Gäste auch ausbleiben", sagt Lötsch. Die Unverwechselbarkeit der Region sei dabei, verloren zu gehen. "Ich finde die architektonische Mentalität, die man pannonischer Landschaft aufzwängt, katastrophal."

Modern

Der Erhaltung der Region in seiner typischen Form hat sich der Verein Welterbe Neusiedler See verschrieben. Lötschs Kritik kann Obmann Erwin Preiner nicht nachvollziehen. "Wir wollen auch moderne Entwicklungen einfließen lassen", sagt Preiner. Ob der Vielzahl an neuen Projekten liege der Fokus nicht mehr nur auf traditionellen Bauten. Alle Projekte würden im Gestaltungsbeirat kritisch betrachtet und auch aus Umwelt- und Naturschutzsicht in diversen Gremien geprüft.