Chronik | Burgenland
11.04.2017

Schnedl: "Bin kein Racheengel"

Entlassener Geschäftsführer will seinen Namen "reingewaschen" sehen.

Warum wurde Krages-Geschäftsführer René Schnedl fristlos entlassen? SPÖ-Gesundheitslandesrat Norbert Darabos hatte dienstrechtliche "Verfehlungen und Unregelmäßigkeiten" ins Treffen geführt, die in der Aufsichtsratssitzung der landeseigenen Krankenanstaltengesellschaft am vergangenen Freitag nur ansatzweise konkretisiert wurden: Nicht-Weiterleitung von Unterlagen ans Land, unzureichende Dokumentation bei der Auszahlung von Boni an Schnedl.

Seit gestern gibt es eine neue Erklärung: Die Meinungen des in die Wüste geschickten Krages-Chefs und der politisch Verantwortlichen seien "meilenweit voneinander abgewichen", tat SPÖ-Landesgeschäftsführer Christian Dax am Montag kund. Und revidierte oder ergänzte damit die Begründung von Darabos, der mit dem SPÖ-Landtagsklub in Frankreich weilt.

Apropos Darabos: Dem stärkte Dax so demonstrativ den Rücken, dass es schon wieder auffällig war: Der Landesrat genieße "definitiv das Vertrauen des Landeshauptmannes und der Landespartei", versicherte deren Neo-Manager.

Die ÖVP will indes den Landesrechnungshof oder den Bundesrechungshof bemühen und schließt auch einen Untersuchungsausschuss im Landtag nicht aus.

Klage steht im Raum

Wo soll Schnedl von der Landeslinie abgewichen sein? Er sei für die Schließung der HNO-Abteilung (Hals-Nasen-Ohren) sowie der Herzkatheter-Station im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt (dem einzigen Spital außerhalb der Krages) eingetreten, meinte Dax und habe damit die Versorgung im ganzen Nordburgenland gefährdet. Nachzulesen sei das im Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG).

Allein: Im letzten Entwurf des noch nicht beschlossenen RSG – er hängt am Österreichischen Strukturplan Gesundheit – ist die HNO in Eisenstadt mit 25 Betten als Vollabteilung sogar aufgestockt, auch die Katheter-Station bliebe in der Hauptstadt. Diese Planänderung sei erst auf "Druck der Politik" zustande gekommen, heißt es im Eisenstädter Spital. Welche Rolle spielte Schnedl beim RSG? Der Burgenländische Gesundheitsfonds, dessen Leiter Schnedl auch war, hat das Joanneum Research in Graz mit der Erstellung beauftragt. Beschlossen wird der RSG von Land und Sozialversicherung, weder da noch dort hat Schnedl eine Funktion. Der geschasste Krages-Chef will seinen "Namen reingewaschen" sehen und pocht auf Auszahlung des bis Mitte 2019 laufenden Vertrags. Reagiere das Land nicht auf ein "außergerichtliches Aufforderungsschreiben", werde "unverzüglich Klage beim Arbeits- und Sozialgericht" eingereicht. Er sei aber für eine außergerichtliche Lösung zu haben, denn: "Ich bin kein Racheengel".