Chronik | Burgenland
22.10.2017

Rot-schwarzes Kopf-an-Kopf-Rennen

Am 29. Oktober fallen in 19 Kommunen die Würfel

Diese Stichwahl könnte weh tun – und fürchten muss sich vor allem die SPÖ: In 19 der 171 Gemeinden konnte beim ersten Durchgang der Kommunalwahl am 1. Oktober kein Bürgermeister-Kandidat die absolute Mehrheit erringen, die Entscheidung zwischen den beiden Bestplatzierten fällt von Bad Tatzmannsdorf bis Zurndorf am kommenden Sonntag. Vor diesem finalen Urnengang liegen Rot und Schwarz mit je 74 Ortschefs gleichauf – 2012 stand es vor der Stichwahl in damals 13 Kommunen 81 zu 72 für die Roten, am Ende 87 zu 78.

Und jetzt?

"Wir wollen die SPÖ überholen, das ist unser erklärtes Ziel", bläst ÖVP-Landesgeschäftsführer und Hornsteins neuer Bürgermeister Christoph Wolf zum Angriff. In "sieben bis zehn Gemeinden" rechne er sich Chancen auf den Sieg aus. "Das wird kein Honiglecken, aber ich bin optimistisch, dass wir die Mehrheit halten", möchte sein rotes Visavis Christian Dax ein Nationalratswahl-Déjà-vu unbedingt vermeiden – im Burgenland rückte die von Sebastian Kurz beflügelte Volkspartei am vergangenen Sonntag bis auf 212 Stimmen an die Jahrzehnte dominante SPÖ heran.

Neusiedl & Jennersdorf

Das ist auch bei den Bürgermeistern ein sehr realistisches Szenario. In jeweils neun der 19 Stichwahlgemeinden haben die beiden großen Kontrahenten die Nase vorn und damit die bessere Ausgangsposition, in Lutzmannsburg geht der amtierende Listen-Ortschef Christian Rohrer aus der Pole-Position ins Rennen.

In 16 der 19 Gemeinden rittern Rot und Schwarz gegeneinander um den Bürgermeister. In der Thermengemeinde Lutzmannsburg heißt es Aktive Dorfliste gegen Rot, in Loipersbach (Heimat von FPÖ-Chef Hans Tschürtz) Rot gegen Blau und in der schwarzen Hochburg Jennersdorf muss die ÖVP den Angriff eines abtrünnigen Schwarzen abwehren.

Jennersdorf und das detto seit Jahrzehnten schwarz regierte Neusiedl am See sind die größten Stichwahlgemeinden und auch darum besonders umkämpft. Die Parteimanager Dax und Wolf geben zu, der Gewinn beziehungsweise Verlust dieser Kommunen wäre ein Highlight – oder ein Tiefpunkt.

In Neusiedl, der zweitgrößten Stadt des Landes, sind die seit Jahren andauernde Finanzmisere und deren Folgen bestimmend. Entscheiden wird wohl, ob dem neuen ÖVP-Spitzenkandidaten Thomas Halbritter die Verkörperung des Neustarts gelingt, schließlich sitzt der Ziviltechniker schon seit Jahren in Stadt- und Gemeinderat. Neu in der Politik ist freilich auch Vizebürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ) nicht, die es erstmals in die Stichwahl geschafft hat.

Im südlichsten Bezirksvorort könnte der ÖVP ein schwarzer Familienstreit das Bürgermeisteramt kosten. Wirtschaftsbund-Obmann Reinhard Deutsch von der Bürgerliste JES will ÖVP-Bürgermeister Bernhard Hirczy ablösen und holt sich dafür SPÖ und FPÖ ins Boot. Für ÖVP-Landtagsabgeordneten und ÖAAB-Landesobmann Hirczy wäre eine Niederlage schlicht eine "Katastrophe".