Chronik | Burgenland
05.12.2011

Rinderzucht: Von Pannonien nach Nordafrika

10.000 Tiere wurden im vergangenen Jahrzehnt verkauft. Rinder werden nach Russland, in die Türkei und nach Afrika exportiert.

Die Zeiten, in denen Kühe und ihre Kälber potenziellen Kaufinteressenten per Rundgang "schmackhaft" gemacht wurden, sind zwar nicht komplett passé, doch nun trifft der Begriff Rinderkompetenzzentrum die Sache wohl eher. Dieser Schritt ging Hand in Hand mit dem Umzug der Versteigerungshalle in Oberwart - seit mittlerweile zehn Jahren hat der heimische Rinderzuchtverband seine Zentrale in der Industriestraße angesiedelt. Mit einem kleinen Festakt wird am kommenden Montag (ab 12.30 Uhr) das runde Jubiläum gefeiert.

"Am alten Standort im Bereich der Rotunde hatten wir vor allem Probleme mit dem Verkehr", erläutert Geschäftsführer Johannes Lehner. "Das Be- und Entladen der Tiertransport-Lkw gestaltete sich  schwierig. Zudem gab es sehr wenige Parkplätze."

140 Versteigerungen haben bisher in den neuen Räumlichkeiten stattgefunden, 10.000 Tiere wurden vermarktet. "Unser Hauptgeschäft ist aber der Export geworden, er beträgt mehr als 50 Prozent", betont Lehner. Burgenländische Rinder sind vor allem in der Türkei, Russland sowie Nordafrika gefragt. Der hohe Qualitätsstandard sei der Hauptgrund, betont der Geschäftsführer, 99 Prozent seien Fleckvieh. Zudem habe man sich als offizielle Quarantänestation der EU etabliert, denn erst nach 30 Tagen dürften die Tiere in den Export. Blut wird abgenommen, Impfungen durchgeführt und regelmäßige Kontrollen finden statt.
Auch im Falle gestoppter Tiertransporte würde man die Notversorgung sicherstellen, bis eine Weiterfahrt möglich sei.

Milch und Fleisch

Dass weniger Tiere versteigert werden, erklärt Lehner damit, dass viele kleine und mittlere Betriebe aufgehört hätten und die großen Rinderzüchter selbst ab Hof vermarkten würden. "Im Schnitt stehen bei unseren Bauern 30 Kühe im Stall, damit sind wir, wie auch bei der Qualität, führend in Österreich", sagt Lehner. 4100 Rinder könnten derzeit 160 Züchtern zugeordnet werden - Fleisch- und Milchproduktion würde sich die Waage halten. Die Betriebe erstrecken sich vor allem von Oberpullendorf bis nach Jennersdorf, vereinzelt auch im Seewinkel und in Eisenstadt. Seit fünf Jahren habe sich eine neue Sparte etabliert - die Zucht von Fleischrindern, genauer gesagt die Rassen Angus oder Highland.