Psychoterror gegen Pizza-Kellnerinnen

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Ein Jennersdorfer Pizzeria-Besitzer soll seine Kellnerinnen ausgebeutet haben. Er reichte Klage wegen Falschaussage ein.

Der Psychoterror in der Arbeitswelt nimmt zu. Diese Entwicklung beobachtet auch die Arbeiterkammer Burgenland und bis man zu seinem Recht kommt, sei es oft ein langer Weg, erklärt Christian Drobits, AK-Jurist im KURIER-Gespräch. Besonders brisant ist der Fall einer Kellnerin die durch den Chef einer Pizzeria mundtot gemacht werden sollte.

Die Vorgeschichte: Esther M. war in einer Pizzeria in Jennersdorf als Kellnerin beschäftigt. Obwohl sie nur für zwölf bzw. 15 Stunden angemeldet war, arbeitete sie von 2007 bis 2009 als 40-Stundenkraft. Bekam aber weder Überstunden, noch Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, bei einem Gehalt von 900 Euro. Erst nach langem Zögern wandte sich die gebürtige Ungarin an die Arbeiterkammer. Sie schilderte dort ihren Fall und konnte auch eine Zeugin nennen, die ihre Aussagen bestätigte: Melinda K., die ebenfalls in dieser Pizzeria als Kellnerin gearbeitet hatte.

"Esther M. wusste über ihre Rechte zuerst nicht Bescheid. Wir haben ihr erklärt, was ihr zusteht und sie dann vor Gericht vertreten. Ihr Exchef versuchte mit allen Mitteln, sie und die Zeugin Melinda K. einzuschüchtern und das Verfahren zu verzögern", sagt Drobits. Denn im Zuge des Prozesses zeigte sich, dass auch Zeugin Melinda K. vom Pizzeriachef ausgebeutet worden war.

Daraus hat sich ein eigenes Verfahren entwickelt. Aus Zorn habe der Ex-Chef K. wegen falscher Zeugenaussage angezeigt. "Hier wird strafrechtlicher Druck auf die Zeugin ausgeübt", sagt Drobits.

Urteil

Das Erstgericht hat für Melinda K. bereits ein positives Urteil verkündet, jetzt ging ihr ehemaliger Arbeitgeber in Berufung. "Frau K. wird sich aber auch weiterhin nicht einschüchtern lassen und den Fall durchkämpfen", betont Jurist Drobits.

Bereits ein positives Ende gefunden hat der Fall von Esther M. Ihr muss der Pizzeriachef 8500 Euro nachzahlen und für die Verfahrenskosten aufkommen. Das wurde auch vom Oberlandesgericht Wien bestätigt.

Arbeiterkammer-Präsident Alfred Schreiner zeigte sich ob des jüngsten Falles empört darüber, "dass manche Arbeitgeber absolut keine Skrupel haben und das Recht mit allen Mitteln beugen wollen."

Erstellt am 05.12.2011