Obstschwindlern auf der Spur

Michael Habeler, Obstbauer aus Wiesen, Kirschenern…
Foto: /Koglbauer Claudia Michael Habeler, Obstbauer aus Wiesen, ärgert sich über falsch deklariertes Obst

Schaden durch Lebensmittelbetrug ist enorm. Burgenländische Firma nimmt Produkte unter die Lupe.

Michael Habeler aus Wiesen im Nordburgenland sieht rot. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

"Nachdem ich gerade die letzten Erdbeeren geerntet habe, sind jetzt die Herzkirschen reif", erklärt der 24-jährige Junglandwirt bei einem Besuch in seiner Obstplantage. Rasch füllt Habeler die Körberl und nur zehn Minuten später landen die Kirschen bei seinem Verkaufsstand. Zwei bis drei Mal pro Monat reist Gabriele Kainz wegen der Früchte extra aus Wien an. "Ich bin seit 20 Jahren Stammkundin. Da weiß ich halt, woher das Obst stammt", sagt Kainz.

Manipulation

Die Sorge um die Herkunft der Lebensmittel ist nicht unberechtigt. 230 Millionen Dollar – so hoch ist der Wert jener Lebensmittel weltweit, die bei der internationalen Polizei-Operation "Opson VI" von vergangenen Dezember bis Anfang des Jahres sichergestellt wurden. 50.000 Kontrollen in 61 Staaten wurden durchgeführt, betroffen waren alle Arten von Produkten und Regionen, so die Bilanz. In Österreich wurden in Einzelfällen Manipulationen bei Olivenöl und Kaviar festgestellt. Der wirtschaftliche Schaden ist hoch.

Michael Habeler weiß über so manche falsche Deklaration von Obst zu berichten. Dass einige Händler bereits Anfang Mai Marillen und Kirschen anbieten, die aus dem Burgenland beziehungsweise aus Österreich stammen sollen, ärgert ihn. Denn dieses Obst sei in unseren Breiten gar nicht vor Juni zum Ernten. Geldgier, das sei die Hauptmotivation für die Schwindelei. Etwa drei Euro würde ein Kilogramm Erdbeeren in Ungarn kosten, die dann im Burgenland zwischen sieben und zehn Euro verkauft werden. "Es kann nicht sein, dass die Konsumenten derart verschaukelt werden", sagt Habeler, der sich seit ein paar Jahren für Herkunftskontrollen stark macht.

Fingerabdruck

Dass sein Obst genauer unter die Lupe genommen wird, damit hat er kein Problem. Und so landen die vor den Augen des KURIER gepflückten Wiesener Herzkirschen kurze Zeit später im Labor von Imprint Analytics im mittelburgenländischen Neutal (siehe Zusatzbericht). Überraschung ist das Ergebnis in diesem Fall keines.

Herkunftsschwindel – das sei die häufigste Form des Lebensmittelbetruges, sagt der Geschäftsführer von Imprint Analytics, Bernd Bodiselitsch. Er beruft sich dabei auf einen EU-Bericht. Dabei wurden bei der Hälfte von 500 Betrugsfällen eine falsche bzw. gar keine Deklaration und Dokumentation nachgewiesen. Milch, Olivenöl, Honig, Safran und Fruchtsäfte zählen zu den weltweit am häufigsten gefälschten Lebensmittel.

Imprint Analytics, Isotopenanalytik, Labor in Neut… Foto: /Koglbauer Claudia Überprüfung im Labor Die Überprüfung von Produkten und Rohstoffen auf deren Herkunft und Identität – das ist das Geschäft von Imprint Analytics. Mithilfe unterschiedlicher Methoden wird der sogenannte Isotopen-Fingerabdruck eines Produkts oder Rohmaterials geprüft. Die Nachfrage nach den Leistungen steigt, wie Bodiselitsch erklärt. "Unsere Aufgabe ist es, den Betrug an unseren Kunden festzustellen."

Einen kleinen Tipp hat Landwirt Habeler für die Konsumenten dennoch: "Wenn sich die Leute überlegen, welches Obst oder Gemüse bei uns gerade Saison hat, dann ergibt sich das Problem mit der Deklaration quasi von selbst." Denn Erdbeeren im April – die habe er in Österreich noch nie gesehen.

Imprint Analytics

Arbeit im Labor

Mit der Imprint Analytics GmbH wurde 2013 in Neutal (Burgenland) das erste kommerzielle Labor für die Analyse stabiler Isotope in Österreich gegründet.

Isotope dienen als Schlüssel zur Herkunftsbestimmung. Es sind natürlich vorkommende Atome eines Elements, die sich in ihrer Anzahl der Neutronen im Kern unterscheiden und daher unterschiedliche Masse aufweisen.

Umwelteinflüsse

Durch Umwelteinflüsse entsteht für jedes Produkt eine natürliche Markierung, der sogenannte "Isotopen-Fingerabdruck". Dieser Fingerabdruck kann nur mit spezieller Analytik sichtbar gemacht werden. Durch die Analyse des "Isotopen-Fingerabdrucks" wird die Rückverfolgung zum Herkunftsort ermöglicht. Bei Imprint Analytics werden hauptsächlich Lebensmittel, aber auch Pharmazeutika analysiert. Zu den Kunden zählen Handel und Industrie, Produzenten und Zulieferer, sowie Kontrollbehörden und Konsumentenschützer.

(kurier) Erstellt am
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