Chronik | Burgenland
05.01.2018

Nestlang oder Neuausschreibung

Krankenanstalten. Nach Absage des designierten Chefs entscheidet LR Doskozil nächste Woche.

Nach dem überraschenden Rückzieher des designierten Krages-Chefs Dietbert Timmerer rauchen im Eisenstädter Landhaus die Köpfe – kommende Woche will der auch für Krankenanstalten zuständige SPÖ-Landesrat Hans Peter Doskozil bekannt geben, wie es in der Causa weitergeht: Entweder wird der Job neu ausgeschrieben oder es kommt der Nächste zum Zug.

Der Wiener Personalberater Boyden hatte Timmerer, der das Klinikum Wels-Grieskirchen in OÖ leitet, im Herbst an die Spitze eines Dreiervorschlags gesetzt.

Auf Platz zwei stand damals Johann Nestlang, kaufmännischer Direktor des Krankenhauses Oberwart, wie dem KURIER von mehreren Quellen bestätigt wurde. Platz drei soll dem Vernehmen nach eine Bewerberin aus Wien belegt haben.

Für den Mittelburgenländer Nestlang spricht seine Kenntnis des Systems. Der frühere Mitarbeiter des Rechnungshofes war vor seiner Tätigkeit im größten Krages-Spital in Oberwart auch in der Eisenstädter Zentrale des Konzerns mit 2400 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 160 Millionen Euro tätig. Gegen ihn spricht, dass er "nur" Zweiter war und Timmerer das Feld mit Abstand angeführt hatte.

Kenner der Materie gehen daher davon aus, dass Doskozil die Neuausschreibung wählt. Damit könnte der neue starke Mann in der SPÖ auch auf diesem Feld einen Neustart samt Abgrenzung von Norbert Darabos, von dem er die Krages übernommen hat, symbolisieren. Schon zuvor hatte Doskozil im Rechtsstreit mit den Esterházy Betrieben die Anwälte gewechselt und war damit auf Distanz zu Vorgänger Helmut Bieler gegangen.

Am Freitag wurden weitere Details rund um die Absage Timmerers bekannt. Wie der KURIER berichtete, ging‘s auch ums Salär (das Jahresbrutto von 150.000 Euro soll auf gut 200.000 nachgebessert worden sein), aber Timmerer habe ein Bericht der Volksanwaltschaft (VA) zu denken gegeben. Der fristlos entlassene Ex-Krages-Chef René Schnedl hatte die VA angerufen und die befand, es sei unzulässig von der Landesregierung, den Krages-Chef wie einen "weisungsgebundenen Leiter einer nachgeordneten Dienststelle" zu betrachten. Vielleicht wollte sich Timmerer einfach nicht an diese Leine legen lassen.