Chronik | Burgenland
06.06.2014

Luxus-Domizil in Naturschutzgebiet

Gemeinde will 15.700 Quadratmeter Schilf umwidmen und als Bauland verkaufen.

Vögel, Insekten und andere Tiere tummeln sich derzeit auf dem rund 15.700 Quadratmeter großen Areal zwischen Feriensiedlung und Seepark. Noch, denn Bürgermeister Wilhelm Schwartz hat für das Stück unberührte Natur große Pläne. Die Schilffläche soll in Bauland umgewidmet und an Martin Pfundner verkauft werden. "Ich möchte ein Feriendorf errichten und setze alles daran, das Projekt ins Laufen zu bringen", sagt Pfundner.

Für den Grünen Gemeinderat Andreas Rohatsch ein Skandal, gehört doch die Schilf-Fläche zum Natura 2000 Schutzgebiet (ein Netz von Schutzgebieten innerhalb der EU zum Schutz gefährdeter wildlebender heimischer Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume; Anm.). "Das ist die letzte Schilf-Fläche in diesem Gebiet", sagt Rohatsch. Weiters kritisiert er, dass der Kaufpreis von 2,25 Millionen Euro viel zu günstig sei. "Die Grundstücke werden verschleudert. Es kann nicht sein, dass dafür von der Gemeinde nur rund 140 Euro/ verlangt werden." Tatsächlich sind die Quadratmeterpreise für Grundstücke in Seelage weit höher. "Mit rund 500 Euro/ muss man rechnen", meint Josef Rittsteuer von Seereal Immobilien.

Die Pläne des Bürgermeisters sind nicht neu. Bereits 2010 sollte die Fläche umgewidmet werden. Die Bürgerinitiative "Rettet das Schilf" übte heftige Kritik. Schließlich wurde das Projekt durch ein Gutachten vom Land negativ beurteilt. "Aus naturschutzfachlicher Seite betrifft der Bereich einen wertvollen, naturnah erhaltenen Abschnitt der Verlandungszone des Neusiedler Sees ", hieß es darin.

Vier Jahre später liegen die Pläne wieder am Tisch. "Ich werde versuchen, dass wir die Umwidmung dieses Mal durchbringen", sagt Bürgermeister Schwartz. Tatsächlich scheinen die Chancen dafür nun höher zu sein. So ist eine Umwidmung der Schilf-Fläche möglich, wenn ein touristischer Nutzen erkennbar ist. Durch die Errichtung eines Feriendorfes würde dieser bestehen. Ein Eingriff in die Natur wäre es aber allemal. Der potenzielle Käufer Pfundner lässt dies nicht gelten. "Diese Vorwürfe stimmen nicht. Ich habe schon länger gehört, dass etwas gebaut werden soll. Mit dem Feriendorf will ich verhindern, dass das Gebiet zerstört wird. Es sollen ja auch Brutinseln für Vögel errichtet werden", sagt Pfundner.

Ortschef Schwartz rechnet, dass im Herbst eine Entscheidung fallen könnte. Bis dahin wird Andreas Rohatsch nicht aufgeben, um das letzte Stück Schilf in Weiden zu kämpfen.