Letztes Geleit für einen Zug

Mangelnde Auslastung brachte das Aus die Bahn zwischen Oberwart und dem steirischen Friedberg
Foto: SITAR PETER/Sitar Peter

Die Bahnlinie Oberwart - Friedberg stellt ihren Betrieb nach 123 Jahren ein. Die Anhänger trauern.

Abfahrt 8.24 Uhr in Oberwart. Der Personenzug setzt sich pünktlich in Bewegung. Ziel ist Friedberg an der Wechselbahn. Eine handvoll Fahrgäste, meist ältere Semester, haben Platz genommen. Die Pendler sind schon in der Arbeit, die Schüler haben Ferien. Die Stimmung ist gedrückt.

Die meisten Fahrgäste sind sich einig, dass es ein großer Verlust ist, wenn der Personenverkehr morgen am 1. August eingestellt wird. "Im Zug ist es halt schon um einiges bequemer", sagt eine Pensionistin, die auf dem Weg nach Wien ist. Zornig ist ein ÖBB-Pensionist. Nach über 120 Jahren Bahnbetrieb den Verkehr einzustellen sei eine Schweinerei. Aber man werde bei der nächsten Wahl den "Herren da oben in Eisenstadt" schon die entsprechende Antwort geben. Ein anderer Fahrgast wiederum hat Verständnis für die wirtschaftlichen Zwänge: "Wenn zu wenig Menschen den Zug benutzen, muss man damit rechnen, dass der Betrieb eingestellt wird."

Unter den Fahrgästen ist auch ein Herr, der Fahrgastzählungen im Auftrag des Landes vornimmt. Sagen darf er natürlich nichts. Bei den Eisenbahnern ist er nicht sehr beliebt: "Jetzt die Fahrgäste zählen, wo ohnehin eingestellt wird, ist ein Witz."

Verändertes Bild

Am Retourweg von Friedberg verändert sich das Bild deutlich. Der Zug ist gut gefüllt. Die meisten sind Richtung Oberwart unterwegs. Aber auch eine junge Mutter mit ihrem Kleinen, die eine Freundin in Sinnersdorf besucht. Sie findet es schade, dass die für sie bequeme Verbindung eingestellt wird.

Die Einstellung der Bahnstrecke hat sich sogar bis Deutschland herumgesprochen. Der Bauingenieur und Eisenbahnfan Peter Müller ist extra aus Öhnigen-Stiegen in Süddeutschland angereist, um bei einer der letzten Fahrten dabei zu sein: "Ich wollte das auf keinen Fall versäumen."

Als der Zug wenig später in Oberwart hält, steigen rund 30 Passagiere aus. Dabei hatte es vor gar nicht all zu langer Zeit nicht schlecht für die Strecke ausgeschaut. Rund sieben Millionen Euro wurden in den Ausbau der Verbindung von Oberwart nach Großpetersdorf investiert. Die Personenzüge sollten sogar bis Großpetersdorf verlängert werden. Dazu kam es allerdings nie.

Großes Ziel war die unterbrochene Verbindung ins ungarische Szombathely wieder herzustellen. Obwohl das Vorhaben offiziell nie aufgegeben wurde, ist die Realisierung unwahrscheinlich. Vorerst weitergeführt wird der Güterverkehr. Allerdings fragen sich viele, wie lange hier noch Fracht transportiert wird. Am Abend verabschieden Bahnfreunde den letzten Zug im Rahmen einer "Trauerfeier". Beginn ist um 19.30 Uhr am Bahnhof Oberwart. Von dort zieht man schweigend zum Rathaus, wo ein Kranz niedergelegt werden soll.

Bahnverbindung: Ende nach 123 Jahren

Geschichte
Die Bahnlinie Steinamanger - Oberwart wurde 1888 eröffnet. Danach wurde die Strecke nach Altpinkafeld und nach Oberschützen verlängert. Nach dem Anschluss des Burgenlandes wurde 1925 die Bahnstrecke von Altpinkafeld nach Friedberg errichtet. Sie stellte die Verbindung zum Österreichischen Bahnnetz her. Die Bahnverbindung nach Steinamanger wurde nach dem 2. Weltkrieg von ungarischer Seite unterbrochen. Bemühungen, diese Verbindung wiederherzustellen, sind trotz verschiedener Initiativen bis zum heutigen Tag gescheitert.

(kurier / Peter Sitar, Helga Schranz) Erstellt am
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