Chronik | Burgenland
05.12.2011

Letzter Zug - "Werden das nicht hinnehmen"

500 Menschen versammelten sich am Sonntag am Bahnhof in Oberwart und protestierten gegen das Ende des Zugverkehrs.

Nach und nach marschieren die Menschen zum Oberwarter Bahnhof. Die Stimmung ist gedämpft. Kopfschütteln und Fassungslosigkeit machen sich breit. "Ich bin einfach unendlich enttäuscht. Dieser Zug gehörte zu meinem Leben. Ich weiß gar nicht, wie oft ich damit gefahren bin", sagt eine alte Dame, die sich mit knapp 500 weiteren Demonstranten Sonntag kurz vor 19.30 Uhr auf dem Bahnsteig eingefunden hat.

Dann ist es soweit. Die Musiker greifen zur ihren Instrumenten. Trauermusik erklingt. Fahrdienstleiter Günther Wukits nimmt seine Position ein . Auch ihm ist die Wehmut ins Gesicht geschrieben, als der letzte Zug aus Friedberg um 19.42 Uhr langsam und mit Trauerflor und Kranz geschmückt in den Oberwart Bahnhof einrollt. Auch einige Politiker haben sich unters Volk gemischt, doch die, auf die die Menschen gewartet haben, sind nicht gekommen. "Wo ist denn unser Herr Bürgermeister, wenn es mal unangenehm ist?", fragt ein Oberwarter während er nach SP-Ortschef Gerhard Pongracz Ausschau hält.

Todsünde

Dafür entdeckt man ein anderes bekanntes Gesicht am Bahnsteig.

VP-Nationalrat Franz Glaser kann die Einstellung des Personenverkehrs auf der Strecke Oberwart-Friedberg nicht verstehen. "In Zeiten wie diesen eine solche Infrastruktur zu zerstören, das ist eine Todsünde für den öffentlichen Verkehr."
Attraktivierung statt Stilllegung, darauf hatten die Anhänger gehofft. Das zeitlich noch einiges drinnen gewesen wäre, zeigte sich Sonntag.

Eigentlich sollte um 18.20 Uhr einer der letzten Züge von Oberwart losfahren. Allein, die Motoren des Triebwagens weigerten sich fast 20 Minuten lang anzuspringen. Trotzdem schaffte es der Lokführer mit nur ein paar Minuten Verspätung in Friedberg anzukommen. "Da sieht man was wir für riesige Zeitpolster haben", stellte ein Eisenbahner fest.
Die letzten Züge von Oberwart nach Friedberg und retour waren mehr als gut gefüllt. Die Menschen spürten, dass nicht nur eine Ära zu Ende ging, sondern dass hier eine historisches Zäsur nach mehr als 120 Jahren gezogen wurde. "Das ist nicht gut, was hier passiert", ist allerorts zu hören.

"Wir werden die Einstellung so sicher nicht hinnehmen und weiter für eine attraktive Bahnverbindung in den Bezirk kämpfen", erklärte Dietrich Wertz unter dem Applaus der 500 Menschen am Bahnhof. 5000 Unterschriften für die Bahn sollte man auch als Politiker nicht so einfach ignorieren, so die Befürworter der Bahn.