Lehrermangel: "Schuld ist die Hacklerregelung"

© Bild: Georg Gesellman

Wer derzeit einen Job als Lehrer an Höheren Schulen sucht, der sollte am besten Englisch und Mathematik studieren.

Auch wenn sich derzeit viele Lehrer von Höheren Schulen die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, so gibt es doch manche, die nicht unter dem Sonnenschirm ins Schwitzen kommen. Denn sie feilen bereits an den Stundenplänen für das kommende Schuljahr. Und da könnten sich unter Umständen Lücken auftun, die bereits seit längerer Zeit wie ein Damoklesschwert über den Konferenzzimmern schweben: Es mangelt an Kollegen.

Woher nehmen, wenn nicht stehlen. Man schielt ins Ausland: Für Latein etwa war kein Lehrer aufzutreiben. So wird in der AHS im Eisenstädter Wolfgarten ab September ein Pädagoge aus Ungarn Cicero und Sallust vortragen. Insgesamt werden für das kommende Schuljahr vier Lehrer aus Ungarn und der Slowakei im Burgenland unterrichten. Für die HAK in Oberpullendorf waren keine Englischlehrer zu bekommen. Daher werden ab September zwei Dolmetscher diesen Job übernehmen. Not macht demnach erfinderisch.

Belastung

Wie eine Englischlehrerin im Nordburgenland ihre 26 Stunden (normalerweise 18 bei voller Lehrverpflichtung) bei drei Maturaklassen meistern soll, das weiß die 40-Jährige selbst noch nicht. "Das kostet Zeit und Nerven. Das Leben macht nicht immer Spaß", sagt sie. Landesschulratspräsident Gerhard Resch weiß ob dieser Zustände: "Aber das ist nicht nur im Burgenland so. Ganz Österreich leidet an Lehrermangel."

Praktikum

Vor allem in Englisch und Mathematik. Daher unterrichten in diesen Fächern Leute, die zwar ihr Studium bereits abgeschlossen, aber das einjährige Praktikum danach noch nicht erledigt haben. "Sie werden aber nicht mit Stunden vollgestopft", sagt Heinz Mock vom Landesschulrat. Eine weitere Möglichkeit wird ebenfalls ins Auge gefasst: 16 Studenten stehen im Burgenland zwar schon vor der Tafel - aber auch noch vor der Lehramtsprüfung.

Schuld am Lehrermangel sucht Präsident Resch weder bei der ehemaligen Ministerin Elisabeth Gehrer (sie schrieb in ihrer Amtszeit 1997 -2005 einen Brief an die Maturanten, dass sich ein Lehramtsstudium nicht auszahle) noch bei der aktuellen Ministerin Claudia Schmid. "Die Hacklerregelung bringt uns den Engpass", sagt Resch, glaubt aber, dass sich die Situation in einigen Jahren wieder zum Positiven entwickeln wird. Er dürfte Recht behalten. "So viele Englischstudenten wie jetzt hatten wir schon lange nicht", so ein Lehrender am Anglistik-Institut in Wien.

Erstellt am 05.12.2011