Chronik | Burgenland
04.10.2017

Kommunales Waterloo für Nationalratswahl-Kandidaten

Dass nach der Wahl vor der Wahl ist, könnte angesichts der jüngsten Ergebnisse manchem Nationalratskandidaten von SPÖ und ÖVP den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Bei den Kommunalwahlen am Sonntag wurden etliche Kommunalpolitiker, die am 15. Oktober (wieder) ins Parlament einziehen möchten, vom Wähler massiv abgestraft – keine Empfehlung fürs Hohe Haus.

Beispiele gefällig? Der seit 20 Jahren als Bürgermeister von Winden am See und seit 2010 zusätzlich als Nationalrat amtierende Erwin Preiner verlor in seiner Heimatgemeinde fast 22 Prozent der Stimmen, bleibt aber mit deutlicher Mehrheit Ortschef. Bei der Nationalratswahl ist der 55-Jährige SPÖ-Spitzenkandidat im Wahlkreis Nord und Nummer drei der Landesliste, die von Minister Hans Peter Doskozil angeführt wird. Die der SPÖ angelastete Dirty-Campaigning-Affäre habe durchgeschlagen, glaubt Preiner an einen Einfluss von Bundesthemen. Dass das schlechte Abschneiden bei der Bürgermeisterwahl ein böses Omen für die Nationalratswahl ist, verneint er hingegen.

Nicht ganz so arg erwischte es Klaudia Friedl, Platz drei auf der Landesliste und im Süden hinter Doskozil gereiht. Die Ortschefin von Steinberg-Dörfl verlor sechs Prozent und konnte eine Stichwahl gerade noch vermeiden. Noch viel bitterer ist der Wahltag für ihren Kollegen Peter Heger verlaufen, der das Bürgermeisteramt in Horitschon nach einem Minus von 11,1 Prozent räumen muss. Bundesrat Heger sollte Friedl im Landtag nachfolgen, wenn sie ins Parlament wechselt – nach Hegers Abwahl steht diese Rochade auf wackligen Beinen.

Viel besser ist es auch bei der ÖVP nicht gelaufen: In Zagersdorf hat ÖVP-Vizebürgermeister Christoph Zarits fast sieben Prozent eingebüßt, für die Nationalratswahl ist er Spitzenkandidat im Regionalwahlkreis Nord. Er habe 2012 sehr viel dazugewonnen, jetzt habe sich das eben wieder auf die realen Machtverhältnisse eingependelt. Für den Urnengang am 15. Oktober ist Zarits dennoch optimistisch. In Neutal wollte sich Patrik Fazekas als ÖVP-Bürgermeisterkandidat Schwung für die Nationalratswahl holen – aber SPÖ-Amtsinhaber Erich Trummer (84 Prozent) bot ihm keine Bühne. JVP-Chef Fazekas erreichte kaum mehr als seine glücklosen VP-Vorgänger.

Im Vorfeld der Kommunalwahl wurden Rechtsextremismus-Vorwürfe gegen drei FPÖ-Kandidaten aus St. Andrä, Bruckneudorf und Draßburg erhoben. Weil es für eine Streichung von der Wahlliste zu spät war, sollten sie aufs Mandat verzichten. In diese Verlegenheit kommt die FPÖ mangels Mandaten nicht.