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Chronik Burgenland
05/08/2012

Juwelierraub: Räuber in allen Punkten schuldig

Ilija B. beteuerte, am Überfall nicht direkt beteiligt gewesen zu sein. Das Urteil nahm er dennoch an. Nicht rechtskräftig.

Es war ein Strafverfahren mit einer unerhört schwierigen Beweislage, auch wenn die Ermittler hervorragende Arbeit geleistet haben", erklärte Richter Wolfgang Rauter bei der Urteilsbegründung im Prozess um den Juwelierraub Hohensteiner. Unter seinem Vorsitz wurde der Serbe Ilija B. zu sechs Jahren und einem Monat unbedingter Haft verurteilt. Es ist dies eine Zusatzstrafe zu jenen 6,5 Jahren, die er in Deutschland wegen vier Rauben ausgefasst hat. In Eisenstadt musste er sich auch wegen Körperverletzung mit schweren Dauerfolgen verantworten. Mit insgesamt 13 Jahren Haft schrammte B. nur knapp an der Höchststrafe von 15 Jahren vorbei.

Am 28. 11. 2005 hatten drei Maskierte den Juwelier in der Eisenstädter Fußgängerzone überfallen. Sie erbeuteten Uhren im Wert von 440.000 € und schossen auf der Flucht dem Uhrmacher Bernd Riedl in den Mund.

Dass der Schöffensenat voll inhaltlich der Anklage folgte, überraschte, stützte sich diese doch auf „viele Einzelbeweise", so Staatsanwalt Christian Petö, ohne jedoch die tatsächliche Tatbeteiligung des 27-Jährigen nachweisen zu können. „Fest steht, wir haben es hier mit einem Schwerverbrecher zu tun. Fest steht, er weiß, wer geschossen hat und sagt es nicht, weil er damit sein Todesurteil unterschreiben könnte", so der Richter.

Ilija B. gehört einer kriminellen Organisation an, die seit Jahren eine Spur des Verbrechens durch Europa zieht. Aus diesem Grund herrschten während des Prozesses auch enorme Sicherheitsvorkehrungen. Elf Uniformierte flankierten Dienstagfrüh den Angeklagten beim Betreten des Gerichtssaals. Cobra-Beamte waren stets vor Ort.

Während sich die meisten Zeugen nach 6,5 Jahren kaum noch an Details erinnern konnten oder aus Angst nicht wollten, beeindruckte die überfallene Juwelierin mit ihrer Courage. Die kleine, zierliche Frau startete auf den 1,92 Meter großen Angeklagten zu und sagte: „Drehen Sie sich ins Licht und lassen Sie mich in Ihre Augen blicken."

Die Augen waren nämlich das einzige, das von den Tätern damals zu sehen war. Ilija B. war diese unerwartete Nähe sichtlich unangenehm. Während er alle anderen Zeugen mit seinen Blicken fixiert hatte, schaute er bei der Juwelierin nur zu Boden. Eindeutig identifizieren konnte sie ihn aber auch nicht.

 

Regung

Und auch ein zweites Mal verweigerte der 27-Jährige den Augenkontakt: Als die Mutter des Opfers die schlimmen Folgen des Schusses schilderte, zeigte sogar er Betroffenheit. „Zum ersten Mal in diesem Prozess haben sie eine Regung gezeigt. Ich glaube ihnen diese sogar", so der Richter.

Ilija B. hat stets bestritten, am Raub direkt mitgewirkt zu haben. Er gab lediglich zu, die Fluchtautos organisiert und eines davon am Tattag nach Eisenstadt gebracht zu haben. Dennoch nahm der Serbe das Urteil sofort an und entschuldigte sich zuvor noch bei Riedls Eltern. Unklar ist das Schicksal seiner Komplizen. Slavko P. soll in Serbien in Haft, Darko K. auf der Flucht sein.

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