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Interview
03/27/2014

"Ich beneide Franz Steindl, das hätte mir einfallen sollen"

Gerhard Jellasitz (64) stärkt seinem Nachfolger an der Parteispitze vor der ÖVP-internen Urabstimmung den Rücken.

von Thomas Orovits

Die ÖVP-Urabstimmung am 27. April rückt näher. Gerhard Jellasitz, von 1993 bis Ende 2000 ÖVP-Landeshauptmannstellvertreter und Vorgänger von Franz Steindl, verteidigt das Partei-Plebiszit, erwartet mindestens 50 Prozent Wahlbeteiligung und hält nach der Abschaffung des Proporzes viele Koalitionen für möglich.

KURIER:Franz Steindl steht seit 13 Jahren an der ÖVP-Spitze und fragt die Basis, ob er Spitzenkandidat wird – da ist doch schon alles schiefgelaufen.Gerhard Jellasitz: (lacht) Eine typische Journalistenfrage. Die Urabstimmung ist mutig und risikoreich, ein neuer Weg, die Basis einzubinden. Es geht ein Ruck durch die Partei, jedes Mitglied fühlt sich angesprochen. Ich beneide Steindl, das hätte mir einfallen sollen.

Oder er ruft die Basis an, weil er in den Gremien durchfiele?Nein, er hätte sicher auch im Parteivorstand die Mehrheit bekommen.

Werden die Bünde entmachtet?Das Gleichgewicht der Macht wird wiederhergestellt. Die Bünde haben sehr großen Einfluss, das ist berechtigt. Umso wichtiger, dass man Mitglieder stärkt, aufwertet und einbindet. Sonst haben Mitglieder nicht viele Möglichkeiten, auf Partei-Beschlüsse einzuwirken.

Sollte die Basis auch über andere Kandidaten entscheiden?Das ist ein Probelauf für mehr Demokratie. Klappt er, kann man das auch bei anderen wichtigen Entscheidungen unserer Partei machen.

Gehen Sie zur Urabstimmung?Mit Freude, das Wahlgeheimnis lüfte ich aber nicht.

Wem Ihre Stimme gehört, ist aber kein großes Geheimnis?Ich habe Steindl 2000 vorgeschlagen, in der Überzeugung, dass er der Beste in der ÖVP ist. Selbstverständlich werde ich ihn wählen.

Ist Herausforderer Jürgen Rohrer nur Verlegenheitskandidat?Er hat meinen Respekt und meine Anerkennung für den Mut anzutreten, auch wenn ich ihn nicht wähle.

Hätte auch Ex-Minister Niki Berlakovich antreten sollen? Nein. Ich habe zu Berlakovich und Steindl beste Beziehungen und schätze beide. Bei Berlakovich ist der Verstand größer als der Ehrgeiz, das spricht für ihn. Wäre er angetreten, hätte es in der Partei einen Kampf gegeben.

Die Wahlbeteiligung?50 Prozent plus ist eine Latte, die man sich in der Partei legen muss. Ich würde jedes Parteimitglied zur Teilnahme auffordern. Wer das ausschlägt, hat die Demokratie nicht richtig verstanden.

Gewinnt Steindl, muss wieder Ruhe in der ÖVP herrschen?Wird er gewählt, hat er das Recht auf Loyalität und Unterstützung.

Wie hoch muss die Zustimmung zu Steindl sein, damit er als Spitzenkandidat gut legitimiert ist?Das muss er entscheiden, das ist eine Frage der Optik, der subjektiven Einschätzung. In einer Wahl ist eine Mehrheit ein Erfolg.

Kann Steindl 2015 Landeshauptmann werden?Ich traue ihm das zu, trotz der schlechten Ausgangssituation. Er hat alle Eigenschaften, die man braucht. Aber es gehört auch Glück dazu. Und die Partei darf sich nicht zurücklehnen. Da ist jeder Spitzenkandidat überfordert.

Sollte Steindl nach Proporz-Aus Schwarz-Blau versuchen? Ich werde mich hüten, Ratschläge zu geben. Fällt der Proporz, kann es Überraschungen geben. Schwarz-grün ist genauso möglich wie rot-blau, das ganze Farbenkästlein wird dann ausgepackt. Wobei: Die letzten 60 Proporz-Jahre waren fürs Burgenland gut.

Wenn die VP den Landeshauptmann will, muss sie eine Mehrheit jenseits der SP suchen.Umgekehrt genauso. Will die SPÖ die ÖVP aus der Regierung haben, braucht sie einen kleinen Partner.

Für wen ist die Gefahr größer aus der Regierung zu fliegen?Es ist für beide ein riskantes Spiel. Wer heute die Rechnung im Glauben aufmacht den anderen rauszuschmeißen, könnte sich täuschen.

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