Chronik | Burgenland
05.01.2018

Hornsteiner sehen Wechsel von Rot zu Schwarz durchaus rosig

Christoph Wolf hat die Gemeinde bei der Kommunalwahl gedreht und muss Schulden abbauen.

Seit rund drei Monaten regiert Christoph Wolf (ÖVP) in Hornstein. Der 31-jährige Steuerberater hat die bis dahin erzrote Gemeinde bei der Kommunalwahl am 1. Oktober eindrucksvoll gedreht und erreichte bei der Direktwahl zum Ortschef fast 57 Prozent (+15,4 Prozent). Und auch im Gemeinderat hat Schwarz Rot überflügelt.

Er habe von der früheren Mehrheitspartei einen "Schuldenrucksack" übernehmen müssen, sagt der Neo-Ortschef der Industriegemeinde mit 3000 Einwohnern. Bei einem Budget von insgesamt sechs Millionen Euro habe die Aufsichtsbehörde des Landes per April 2017 einen Schuldenstand von sieben Millionen Euro ausgewiesen. Allein 800.000 Euro müssten für noch nicht abgerechnete Projekte der Vorgänger aufgewendet werden. Weil viele Gebühren nicht kostendeckend gewesen seien, müsse es nun Erhöhungen bei Kindergarten (plus drei Prozent), Kanal (fünf Prozent) und Friedhofsgebühren (plus 50 Prozent) geben. Wolf: "Das sind extrem unpopuläre Entscheidungen, aber ich wurde ja gewählt, um die Finanzen in Ordnung zu bringen."

Hört man sich in der Gemeinde um, äußern sich auch politisch Andersdenkende wohlwollend: Wolf gehe auf die Leute zu, sei Argumenten zugänglich und habe bisher das Versprochene auch eingehalten, sagt ein Hornsteiner zum KURIER.

Gegenwärtig, sagt Wolf, liege seine Heimatgemeinde finanziell im letzten Drittel aller 171 burgenländischen Kommunen. Sein Ziel? "Hornstein soll in den nächsten Jahren wieder zum besten Drittel gehören". Würde er so weit gehen, von "roter Misswirtschaft" zu sprechen? Wolf: "In vielen Bereichen wurde nicht anständig gearbeitet."

Gut organisiert

Dabei hat Hornstein gute Voraussetzungen, die Lage an der A3 macht die Gemeinde für Unternehmen attraktiv. Zuletzt hat sich die Wiener Pharmafirma Sigmapharm zur Übersiedelung ins Nordburgenland entschlossen. Weitere Firmen sollen folgen, Wolf möchte rund 20.000 Quadratmeter im Industriegebiet veräußern. Schon jetzt gibt es in Hornstein rund 1000 Arbeitsplätze, 800.000 Euro Kommunalsteuer fließen in die Gemeindekasse.

Gebremst werden soll hingegen der Zuzug, nachdem jüngst die 3000er-Marke überschritten wurde. Mit dem Bau von Einfamilien- und Reihenhäusern sollen Personen angesprochen werden, die sich "langfristig" mit Hornstein identifizieren. Überdimensionierte Wohnungsbauten lehnt Wolf ab.

Wie bewältigt der 31-Jährige das auch nicht gerade kleine Arbeitspensum als Bürgermeister, Landtagsabgeordneter und ÖVP-Landesgeschäftsführer? "Mit wenig Schlaf und guter Organisation", sagt Wolf mit dem ihm eigenen verschmitzten Lachen. Wenn‘s doch einmal zu viel werde, wirke seine Frau als Regulativ. Unterstützt wird sie dabei vom 15 Monate alten gemeinsamen Sohn – und bald kommt ein zweites Kind.