Sebastian Kugler im Geschäft seines Vaters . Hier ist es angenehmer als im Privatgymnasium

© /georg gesellmann

Interview
07/12/2015

Hochdeutsch im Kleidergeschäft

Sebastian Kugler bereitet sich auf die Matura vor und arbeitet im Geschäft seines Vaters.

von Georg Gesellmann

Sebastian Kugler findet Kinderarbeit unmoralisch. Die Wiener sind anders gekleidet als die Eisenstädter. Politiker sind manchmal schlecht angezogen, mit altmoderner Krawatte und komischem Muster drauf, und ein Hemd, das nicht dazu passt.KURIER. Die Novelle des Schweizer Dichters Gottfried Keller heißt: Kleider machen Leute, stimmt das?

Sebastian Kugler. Ja. Ich meine wenn ein junger Mann schon ein wenig fescher gekleidet ist als manch anderer, ist das Erscheinungsbild ein bisserl besser. Er kommt vielleicht netter rüber und es zeigt, er macht sich Sorgen um sich selbst, daher tritt er modischer auf. Es geht auch ums Selbstvertrauen.

Okay, nach außen hin zeigt man sich nett und adrett, aber zählen nicht die inneren Werte?

Wenn man einen Menschen besser kennenlernen will, dann zählen natürlich die inneren Werte. Aber der erste Eindruck nach außen hin sollte schon passen.

Kleider machen nicht nur Leute, sondern Kinder in armen Ländern stellen sie her. Ist das moralisch vertretbar?

Nein, ganz und gar nicht. Die Kinder werden dazu gezwungen für einen Hungerlohn zu arbeiten. Der Familie bringen sie zwar Geld, aber moralisch vertretbar ist das dennoch nicht.

Sind Designerwaren ihr Geld wert, vor allem dann, wenn sie durch billige Arbeitskräfte hergestellt werden?

Ich weiß nicht von jeder Designerware ob sie von Kinderhand produziert wurde. Ich weiß aber von großen Firmen, die Sportschuhe hier in Österreich um 150 Euro verkaufen, und in der Fabrik in den Herstellerländern fünf Euro Lohn bezahlt werden. So gesehen sind die Preise von Designerware nicht unbedingt fair.

Marken bestimmen die Mode. Das ist ja fast wie beim Militär, wo Einheitskleidung gegeben ist. Ist das nicht einfallslos?

Es gibt Leute, die nach Marken gehen. Aber ich seh es nicht so. Wenn mir was gefällt dann trag ich es. Ich schaue nicht auf die Marken, denn es könne auch billige Polos sehr schön sein.

Wenn Sie durch die Straßen von Eisenstadt gehen. Sind die Leute gut gekleidet?

Schwierig zu sagen. Anders als in Wien. Aber gut gekleidet sind die Eisenstädter im Allgemeinen nicht. Ich versteh es, manche können sich teure Kleidung nicht leisten. Sie sind aber deshalb keine schlechten Menschen.

Wie finden Sie das Styling unserer Politiker?

Naja, sie sind alle hübsch, tragen Anzüge. In der Zeitung sieht man meist nur den Oberkörper. Bei manchen sieht man dann schon sehr altmoderne Krawatten mit komischen Mustern drauf, und ein Hemd, das nicht dazu passt.

Sollten die Abgeordneten Damen bei einer Landtagssitzung Kostüme und Männer Anzug und Krawatte tragen?

Das weiß ich nicht. Aber vielleicht glaubt man, dass man dadurch ein besseres Erscheinungsbild abgibt. Ich hab’ noch nie Politiker mit einem T-Shirt im Parlament gesehen.

Auffallend ist auch, dass Jung-Politiker mit Anzug und Krawatte auftreten.

Das ist nachvollziehbar. Sie wollen wahrscheinlich so rüber kommen wie die alten Politiker.

Wie sollte man sich kleiden, wenn man eine Theateraufführung im Burgtheater besucht?

Da tragen die Herren Anzüge und die Damen Kleider. Jugendliche am Stehplatz sind leger angezogen. Ist Okay.

Wenn ein Kunde zu Ihnen kommt, einen Anzug probiert, der nicht passt, der Kunde aber davon überzeugt ist, er passt. Geben Sie ihm recht oder raten Sie vom Kauf ab?

Ich sag’s ihm ehrlich ob es passt oder nicht.

In der Schule läuft es bei Ihnen derzeit eher unrund. Sie haben jetzt aber den direkten Vergleich zwischen Arbeit und Schule. Was ist angenehmer?

Ich muss da wie dort pünktlich sein. Aber es ist angenehmer hier im Geschäft des Vaters zu arbeiten. Die Schule ist eher ein Zwang. Die Matura möchte ich auf jeden Fall machen .

Sie sprechen ein sehr schönes Deutsch. Wie unterhalten Sie sich mit Ihren Freunden?

Ich rede genauso Hochdeutsch wie jetzt – mit einigen Ausnahmen.

Sagen Ihnen die Begriffe Umurkn (Gurke) und Grundbirn (Erdäpfel) etwas?

Nein noch nie gehört. Meine Oma wird diese Namen sicher kennen .

Was ist das Wichtigste im Leben für Sie?

Gesundheit.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.