Helene Fischers Anhänger vergreifen sich offenbar im Ton.

© KURIER/Rainer Eckharter

Klage
09/09/2014

Helene-Fischer-Fans beschimpfen Anwälte

Ein burgenländicher Pensionist will wegen Diskriminierung Behinderter klagen.

Dass der burgenländische Pensionist Heimo Eitel Schlagerstar Helene Fischer wegen Diskriminierung klagen will, regt auf – manche offenbar so sehr, dass sie auf den guten Ton vergessen.

„Meine Angestellten sind am Telefon auf das Übelste von Fischer-Fans beschimpft worden“, zeigt sich die Wiener Anwältin Astrid Wagner, die Heimo Eitel vertritt, entrüstet. Sie werde sich das nicht gefallen lassen: „So etwas wird Konsequenzen habe, da verstehe ich keinen Spaß.“ In ihrer Kanzlei sei bereits eine Fangschaltung installiert worden.

Unabhängig davon bereitet Astrid Wagner eine Klage gegen den deutschen Schlagerstar vor. Sie sei zunächst skeptisch gewesen, meint die Juristin, „aber nachdem ich mir das rechtlich angeschaut habe, bin ich der Meinung, dass die Sache Hand und Fuß hat“.

Wie der KURIER berichtete, fühlt sich der Bad Sauerbrunner, der an der Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) leidet, von Helene Fischer diskriminiert. Sie habe ihn und eine Gruppe anderer Menschen mit Handicaps vor einem Auftritt auf der Seebühne Mörbisch nicht nur ignoriert, sondern auch „ausgelacht“, wie der 63-Jährige behauptet.

In einem Interview mit der deutschen Bild-Zeitung hat Helene Fischer diese Vorwürfe vehement zurückgewiesen: „Es liegt mir fern, jemanden in irgendeiner Weise zu diskriminieren, und ich habe das auch noch nie getan.“

Schmerzensgeld

Heimo Eitel sieht das anders und hat sich von der Schlagerqueen als „Mensch zweiter Klasse“ behandelt gefühlt. Nach dieser Enttäuschung habe er einen Krankheitsschub erlitten, berichtet Eitel (siehe Interview). Für Anwältin Wagner ist das Grund genug, auch eine Schmerzensgeldforderung in Höhe von 20.000 Euro für ihren Mandanten vorzubereiten.

Der pensionierte Elektrotechniker hat ja bereits mehrmals medial angekündigt, nach einem gescheiterten Schlichtungsgespräch mit Fischers Anwalt Klage wegen Diskriminierung von Behinderten einreichen zu wollen. Wann das nun wirklich passieren soll, kann auch Astrid Wagner nicht definitiv beantworten. „Ich will da keinen Schnellschuss machen“, meint Wagner. Theoretisch habe man drei Monate Zeit, bis die Frist ablaufe. Sobald Eitel alle notwendigen gesundheitlichen Befunde habe, könne man loslegen. Eingereicht werde die Klage entweder beim Bezirksgericht Mattersburg oder beim Landesgericht Eisenstadt.

Man darf gespannt sein, ob sich der deutsche Megastar – wie beim ergebnislos verlaufenen Schlichtungsgespräch – wieder von einem Anwalt vertreten lässt oder persönlich im Gerichtssaal erscheint.

Das bisherige Verhalten von Helene Fischer habe sie doch „sehr gewundert“, meint Astrid Wagner: „Dass Frau Fischer nur ihren Anwalt geschickt hat, ist schon befremdlich. Wenn sie mehr Interesse gezeigt hätte, wäre die Sache schon längst aus der Welt.“

Weggeräumt hat der enttäuschte Fan Heimo Eitel jedenfalls seine Sammlung von Fischer-CDs: „Ich hatte einen ganzen Werkzeugkoffer voll. Die hab ich jetzt verliehen.“

„Ein Anruf allein reicht jetzt nicht mehr“

KURIER: Sind Sie – so wie Ihre Anwältin – von Helene Fischer-Fans beschimpft worden?
Heimo Eitel:
Nein, überhaupt nicht. Ich habe einen einzigen anonymen Brief im Postkasten gefunden, auf dem „Querulant“ stand. So eine Reaktion entspricht auch gar nicht der Mentalität der Ostösterreicher.

Haben Sie damit gerechnet, dass Ihre Absicht, den Schlagerstar zu klagen, ein derartiges mediales Echo auslöst?
Nein, ich hab das ja nicht selbst angezettelt. Das ist nach diesem gescheiterten Schlichtungsgespräch wie bei einem Dominoeffekt immer weiter gegangen und hat sich verselbstständigt.

Ihre Anwältin will auch Schmerzensgeld fordern. Wie geht es Ihnen gesundheitlich?
Nicht besonders gut. ALS ist eine Nervenkrankheit, die ganz stark psychosomatisch beeinflusst wird. Nach dem Vorfall auf der Seebühne im Sommer in Mörbisch, wo ich einfach irrsinnig enttäuscht von Helene Fischers Verhalten war, hatte ich einen Schub. Und auch nach dem Schlichtungsgespräch, zu dem Fischer nur ihren Anwalt geschickt hat, habe ich mich so aufgeregt, dass ich starke Schmerzen bekommen habe. Ich konnte fast gar nicht mehr gehen.

Sie haben eine persönliche Entschuldigung für Fischers Verhalten in Mörbisch gefordert. Was passiert, wenn diese jetzt kommt? Wenn Helene Fischer doch noch anruft?
Ein Anruf allein reicht jetzt nicht mehr, da müsste man sich schon zusammensetzen. Aber wenn die Bereitschaft da ist, wenn eine Gesprächsgrundlage gefunden wird, dann stoppe ich alles natürlich. Ich bin der Letzte, der eine Versöhnung ablehnt.

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