Haydntage: "Kein Geld für Allerweltsprogramm"

Kommende Woche starten in Eisenstadt die Haydntage. Intendant Walter Reicher gibt Einblick ins Programm.

KURIER: "Haydn & die Neue Welt" ist das Motto der Haydntage 2011. Haydn war nicht gerade ein Weltenbummler. Welche Beziehungen hatte er zu Amerika?
Walter Reicher:
Haydn war selbst ja nie in Amerika, aber seine Werke sind sehr früh nach Amerika gekommen. Wir wissen, dass bereits 1766 eine Symphonie von ihm in Amerika aufgeführt wurde. Fünf Jahre nach Haydns Tod hat sich die erste Haydn-Gesellschaft gegründet, und zwar in Amerika, in Boston.
Es gibt aber auch viele andere Stränge, denen wir nachgehen: Sigismund Von Neukomm, Haydns Lieblingsschüler, ist nach dessen Tod auf den Hof des Königs von Brasilien gekommen und hat natürlich Haydns Werke im Gepäck gehabt.
Haydn hat zum Beispiel hier in Eisenstadt Besuch von Francisco de Miranda gehabt, einem Revolutionär, der Venezuela von den Spaniern befreien wollte.
Alle diese Beziehungen wollen wir auch musikalisch aufarbeiten.

Welches Bild hat man zu Haydns Zeit von der Neuen Welt gehabt?
Man weiß, dass Haydn einen Pracht-Atlas vom Weltumsegler James Cook besaß, mit Landkarten und auch Stichen von Nord- und Südamerikas Ureinwohnern.
Außerdem hat die Revolution von 1776, die Unabhängigkeit der nordamerikanischen Kolonien von Großbritannien, natürlich auch hier Wellen geschlagen.

Beim Eröffnungskonzert der Haydntage wirken auch Künstler der Ars Electronica mit. Was wird da über die Bühne gehen?
Jedenfalls keine Diashow. Es werden zu Dvoráks Symphonie "Aus der Neuen Welt" kolorierte Fotografien, die um 1900 in der Neuen Welt gemacht wurden, auf eine schwarze Leinwand projiziert. Und wir zeigen tolle Satellitenaufnahmen der NASA. Im zweiten Teil bekommen die Besucher 3 D-Brillen. Es werden keine realistischen Bilder gezeigt, sondern Bilder, die am Computer - im Einklang mit der Musik - entstehen.
Ich bin selbst gespannt, wie das ankommt. Wer sich nicht darauf einlassen will, macht einfach die Augen zu.

José Carreras, Montserrat Caballé oder Cecilia Bartoli waren bei den Haydntagen. In den letzten Jahren hat man die Stars etwas vermisst. Haben sie kein Interesse oder sind sie zu teuer?
Nicht alle Stars singen Haydn - und wir sind das Haydn-Festival. Wir brauchen kein Geld für Stars ausgeben, die ein Allerweltsprogramm singen, das man eh überall hören kann. Das heißt nicht, dass das schlechte Künstler sind, ganz im Gegenteil.
Bei den Haydntagen müssen Künstler aber etwas bieten, was es sonst nirgends gibt. Trotzdem haben wir keine Probleme, Künstler hierher zu bekommen.
Heutzutage ist ja schon jeder ein Star. Soll ich jetzt den Lugner einladen, dass er hier singt, nur weil er ein Star ist?

Die Konkurrenz an Musikfestivals wird immer größer. Wirkt sich das auf die Haydn Festspiele aus?

Wir spüren es momentan nicht. Diese Festivalitis ist eine große Krankheit. Es ist schön, dass etwas passiert, aber man muss aufpassen, dass es nicht zur Verwirrung des Publikums beiträgt. Aber Gott sei Dank: Unser Publikum weiß, wo Haydn Festspiele drauf steht, sind Haydn Festspiele drin.

Dass sich Land Burgenland und Stiftung Esterházy - gerade, was das Schloss betrifft - streiten, ist hinlänglich bekannt. Wirkt sich das auf die Haydn Festspiele aus?
Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir nicht zwischen die Fronten geraten. Derzeit herrscht sowieso Funkstille, also Waffenstillstand. Die Haydn Festspiele und die Stiftung Esterházy versuchen, professionell miteinander umzugehen.

Harald Serafin ist mit 80 noch Intendant - bis 2012. Wollen Sie auch so lange in Amt und Würden bleiben?
Ich will sicher nicht noch 27 Jahre hier sein. Solange meine Vertrag läuft (bis 2013, Anmerkung) sowieso und dann müssen wir reden. Haydn wird mir nicht über: Und um Haydn zu zitieren: "Es gibt noch so viel zu tun".

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011