Chronik | Burgenland
24.09.2017

Haubenküche im Pferdestall

Statt nach Pferdeäpfeln duftet es heute im "Wirtshaus im Hofgassl" nach kulinarischen Genüssen.

Öffnet man das Tor des Hauses mit der Nummer 10 staunt man nicht schlecht: Wie in einer kleinen Gasse – etwa zwei Meter breit – mit vielen Grünpflanzen als Spalier, wird einem der Weg geleitet, bis man im Gastgarten ansteht, der aufgrund des trüben Wetters an diesem Tag aber leer ist. "Normalerweise sind wir bummvoll. Rust ist sehr wetterabhängig", sagt Susanne Pilz, die Chefin des Wirtshauses im Hofgassl.

Namensgebend für das Wirtshaus ist eben genau dieses "Gasse", die heute die beiden Gaststuben miteinander verbindet. "Es ist ja eigentlich keine richtige Gasse, denn man kann nicht durchgehen, aber es schaut so aus, wie eine der kleinen Gassen in Mörbisch", erklärt Pilz. Ein Haus habe ihren Großeltern gehört, das andere haben Susanne Pilz und ihr Mann Michael, der Küchenchef, zugekauft. "Es wäre sonst nicht möglich gewesen ein Wirtshaus aufzumachen, wenn man sich das Gassl, also den Hof, teilen muss", sagt Pilz. 2004 wurde eröffnet.

Will man dem ungemütlichen Wetter entfliehen, kann man sich entscheiden, in welchem der beiden Häuser man Platz nimmt, denn beide bieten eine geräumige Gaststube. Einer der Räume war früher ein Pferdestall, davon ist freilich nichts mehr zu merken. Vom Ambiente her ist das Wirtshaus im Hofgassl kein klassisches Wirtshaus, sondern ein gehobenes Restaurant, dessen Küche mehrfach ausgezeichnet wurde. So erkochte sich Küchenchef Michael Pilz bereits kurz nach der Eröffnung eine Haube, die bis heute gehalten werden konnte.

"Kein Begräbnis"

Während seine Frau erzählt, ist Küchenchef Michael fleißig am Arbeiten. Serviert wird hauptsächlich österreichische Küche mit mediterranem und asiatischem Einschlag. "Das gebackene Ei ist unser Klassiker", sind sich beide einig. Die Hauptspeisen wurden an diesem frühen Nachmittag bereits alle serviert, nun geht es an die Desserts. Man sieht es Michael Pilz an, dass Kochen seine Leidenschaft ist. "Meine Eltern haben ein Hotel in der Ramsau und ich wollte schon immer Koch werden", verrät er. Nach Rust verschlagen hat es ihn durch Zufall. "Nach meiner Lehre und einigen Praxisjahren war ich mit meinen Eltern in Rust essen und das Restaurant hat damals einen Koch gesucht. Also bin ich hierhergekommen", sagt er.

Kurze Zeit später habe er seine Frau kennengelernt und bald stand fest, dass sie gemeinsames etwas aufbauen wollen. "Ich bin eigentlich ausgebildete Lehrerin. Meine Eltern haben einen Buschenschank und so hatte ich schon immer Kontakt mit dem Gastgewerbe. Da habe ich immer mitgeholfen", erzählt Susanne Pilz. Trotz Haubenküche legen die beiden Chefs Wert auf eine angenehme Atmosphäre. "Unser Ziel ist es nicht, noch eine zweite oder dritte Haube zu bekommen. Uns ist wichtig, dass man sich wohl fühlt. Es sollte keinesfalls sein, dass sich die Gäste oder Kellner nicht reden trauen, weil es so vornehm ist. Essen gehen ist ja kein Begräbnis", sagt Susanne Pilz.