Gut integrierte armenische Familie steht vor der Abschiebung

Narine und Sevak Simonyak…
Foto: Thomas Orovits Blicken in eine traurige Zukunft: Sevak Simonyan und seine Schwester Narine im Anhaltezentrum

Eltern und drei Kinder fürchten in ihrer Heimat ums Leben. SOS Mitmensch will Bleiberecht.


Wenn uns diese Leute finden, werden wir umgebracht“, sagt der 15-jährige Sevak Simonyan. Der junge Armenier steht Freitagnachmittag mit seiner Schwester Narine (17) im Hof des Polizeianhaltezentrums in der Eisenstädter Gölbeszeile, die Eltern Karen und Nune sitzen wenige hundert Meter weiter in Schubhaft. So hat es die BH Oberwart als Fremdenbehörde verfügt.

Die fünfköpfige Familie aus Armenien – die 19-jährige Meline ist untergetaucht – steht vor der Abschiebung. Am 28. Mai soll ein Flugzeug mit den Simonyans an Bord nach Armenien abheben. Von dort ist die Familie im November 2008 geflüchtet, der Vater war als Polizist mit Morddrohungen konfrontiert, nachdem er einen Politiker verhaftet hatte. Selbst sein Vorgesetzter habe ihm zur Flucht geraten, erzählt sein Sohn.

Die Kaukasus-Republik wird von Experten als Scheindemokratie mit oligarchischen Zügen eingestuft, mafiose Gruppierungen treiben ihr Unwesen. „Freitag um fünf vor sechs Uhr in der Früh sind Polizisten in Zivil vorgefahren, insgesamt sechs Leute“, erzählen Lanfranco Reitlinger und Martin Treipl von der christlichen Franziskusgemeinschaft in Pinkafeld, wo die armenische Familie seit Februar lebte. Sevak, der auch ein hervorragender Judoka ist, beendet die Polytechnische Schule und wollte im Herbst die Baufachschule in der HTL Pinkafeld beginnen, die Schwestern tendieren zu Sozialberufen, alle sprechen sehr gut Deutsch.

Bleiberecht

„Es ist eine absolute Premiere, dass Beamte den Abschiebebefehl bringen und die Leute gleich mitnehmen“, erklärt Rainer Klien von SOS-Mitmensch. „Ein Antrag auf humanitäres Bleiberecht ist noch im Laufen“, er sei aber von der BH nicht behandelt worden, klagt Klien. „Es liegt eine negative asylrechtliche Entscheidung vom Dezember 2012 vor“, erklärt Helmut Nemeth von der BH Oberwart. Die Abschiebung sei rechtlich notwendig und der Familie im Vorhinein bekannt gewesen. „Sie sind aus Oberösterreich ins Burgenland gekommen und hier mehr oder weniger untergetaucht“, sagt Nemeth. Dem widerspricht Menschenrechtsaktivist Elias Bierdel, die Familie sei in Pinkafeld ordentlich gemeldet. Er bemängelt, dass sich die Behörde auf das Argument zurückziehe, Karen Simonyan habe in Armenien nicht unter staatlicher Gewalt gelitten, auf die Möglichkeit des humanitären Bleiberechts hingegen habe man sich nicht eingelassen.

Selbst Pinkafelds SPÖ-Bürgermeister Kurt Maczek hat sich für den Verbleib der Simonyans eingesetzt. Vergeblich. Die Kinder wurden noch am Freitag nach Wien-Simmering gebracht, die Eltern kommen am Samstag nach. Narine darf heute für eine Aufnahmsprüfung an der Sozialakademie noch einmal kurz nach Pinkafeld. Klien: „Am Montag entscheidet sich das Schicksal der Familie“.

(kurier) Erstellt am
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